Die Groteske der ungenutzten Macht — Warum die Mehrheit ihre eigene Befreiung verweigert
91 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind abhängig Beschäftigte. Die materielle Basis für Gegenmacht ist da. Niemand verhungert mehr am Streik. Und trotzdem nutzt die Mehrheit ihre Macht nicht. Warum?
I.
In The Capital Order zeigt Clara Mattei (2022) anhand der Krisenjahre nach dem Ersten Weltkrieg — Italien nach dem biennio rosso, England nach den großen Streikwellen —, dass Austerität keine gescheiterte Wirtschaftspolitik war. Sie war, in Matteis Worten, ein „Werkzeug der Klassenkontrolle" (Mattei, 2022, Einleitung) — eine erfolgreiche Klassenstrategie, um die Arbeiter davon abzuhalten, Macht über ihre eigene Produktivität zu erhalten. Die Arbeiter hatten durch den Ersten Weltkrieg reale Macht gewonnen: Fabrikbesetzungen, Rätestrukturen, die Kontrolle über die Produktion. Es war ihnen bewusst geworden, dass die echte Macht bei ihnen lag. Austerität war die Antwort — nicht als ökonomischer Irrtum, sondern als Gegenrevolution in Fiskalform, um die Arbeiter zurück in die Fabriken zu zwingen.
In ihrem neuen Buch Escape from Capitalism geht Mattei (2026) weiter. Sie zeigt: Armut, Arbeitslosigkeit, Inflation — das sind keine Fehler im System. Das sind Funktionen, mit einer sehr einfachen und leicht durchschaubaren Absicht: Absicherung und Bereicherung der herrschenden Klasse. Ihre grundlegende These: Der Kapitalismus braucht den Staat, um konstant die Bedingungen zu erzeugen, unter denen der Kapitalismus weiter funktionieren kann und sich das Vermögensungleichgewicht weiter zugunsten der herrschenden und sehr wohlhabenden Klasse verschiebt. Pseudowissenschaftliche Modelle werden durch die Politik gerechtfertigt und durch Institutionen wie Zentralbanken, IWF und Ratingagenturen durchgesetzt, die sich demokratischer Kontrolle entziehen. Matteis Kernthese: Kapitalismus und Demokratie sind unvereinbar, weil der Kapitalismus strukturell darauf angewiesen ist, die Entscheidungen über das wirtschaftliche Leben der Vielen in die Hände der Wenigen zu legen.
Aber ihre eigentliche Pointe, die die übliche Debatte über Arm und Reich in die Irre führt, ist eine andere: Die entscheidende Linie verläuft nicht zwischen denen, die viel haben, und denen, die wenig haben. Sie verläuft zwischen denen, die von ihrer Arbeitskraft leben, und denen, die von ihrem Kapital leben. Ein Softwareentwickler mit 95.000 Euro Jahresgehalt und eine Pflegekraft mit 28.000 Euro stehen auf derselben Seite dieser Linie. Beide sind darauf angewiesen, morgen wieder zu arbeiten. Beide verlieren alles, wenn der Einkommensstrom stoppt. Der eine lebt komfortabler, aber die Abhängigkeitsstruktur ist identisch.
Das ist keine moralische Behauptung. Das ist eine strukturelle Beschreibung. Und sie hat Konsequenzen, die weit über Matteis Analyse hinausreichen.
Dieser Essay handelt nicht von Armut. Er handelt davon, dass die Mehrheit in objektiver Fülle lebt und subjektiv Knappheit fühlt. Dass 91 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland die Macht hätten, ihre Bedingungen zu verändern — und es nicht tun. Nicht weil sie dumm sind. Nicht weil sie es nicht wissen. Sondern weil ein System, das Fülle produziert, ihnen einredet, es gebe nicht genug.
Die Konsequenzen von Matteis Analyse betreffen uns — die Mittelschicht. Nicht nur die Arbeiter, die Ärmsten, die ohnehin keine Zeit haben, sich zu wehren. Sie betreffen die meisten von uns.
Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge (2026) zeigt das an einem bestechend einfachen Beispiel: Wer drei Wohnungen erbt, zahlt Erbschaftssteuer. Wer 301 Wohnungen erbt, zahlt keine — denn das gilt als Immobilienholding. Ganze Konzerne sind vererbbar, ohne dass ein Cent Erbschaftssteuer anfällt. Das ist keine Lücke im System. Das ist das System. Und der 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, erschienen im Dezember 2025, macht auf 600 Seiten BlackRock, die großen Konzerne und die Finanzmarktakteure unsichtbar. Er definiert „einkommensreich" ab dem doppelten Medianeinkommen — also ab etwa 4.500 Euro netto. Da gilt der Oberstudienrat als reich, aber Dieter Schwarz mit 45,6 Milliarden Euro Privatvermögen und 256 Milliardäre in Deutschland tauchen in der Analyse nicht auf. Das ist Verschleierung als Regierungspolitik.
II.
Deutschland wird von Jahr zu Jahr ärmer, und ich meine nicht durch die mangelnde Wirtschaftsleistung oder die Tatsache, dass Geschäfte verschwinden. Im April 2025 veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband (2025) seinen Armutsbericht. Die Zahlen: 15,5 Prozent der Bevölkerung — rund 13 Millionen Menschen — lebten 2024 unterhalb der Armutsgrenze, definiert als weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens, konkret: unter 1.381 Euro netto im Monat für Alleinlebende — und jetzt sage mir bitte niemand, dass das doch genug Geld sei. Die Armutsquote ist gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozentpunkte gestiegen. Und die Armen werden auch noch ärmer: Preisbereinigt verfügten sie 2024 im Schnitt nur noch über 914 Euro monatlich — weniger als die 981 Euro von 2020. Die Inflation hat die Kaufkraft der Ärmsten nicht nur stagnieren lassen, sie hat sie vernichtet.
Butterwegge macht daraus eine Zahl, die im Körper bleibt: Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen wohlhabenden und armen Männern in Deutschland beträgt 7,2 Jahre. Armut ist, in einem der reichsten Länder der Welt, ein Todesurteil auf Raten.
Im Februar 2026 legte das Statistische Bundesamt (2026b) nach: Für das Jahr 2025 galten nun 13,3 Millionen Menschen als armutsgefährdet — 16,1 Prozent der Bevölkerung. Die Tendenz steigt.
Das sind erschreckende Zahlen. Und sie verdienen jede Aufmerksamkeit.
Und sie lenken uns ab. Sie lenken den Blick in die falsche Richtung. Denn die Frage, die kein Armutsbericht stellt, ist die entscheidende: Was ist mit den anderen? Also mit uns, die noch immer genug verdienen, die noch in den Urlaub fahren können, die sich am Wochenende mit den Kindern das Eis leisten können, ohne darüber nachzudenken.
Von den rund 46 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt (2026a) 42,5 Millionen Arbeitnehmer — abhängig Beschäftigte. Nur 3,7 Millionen sind selbstständig, und ihr Anteil sinkt seit Jahren; er liegt inzwischen bei unter 8,5 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung lebt von Lohnarbeit. Nicht von Kapitalerträgen, nicht von Renditen, nicht von Vermögen — von der monatlichen Überweisung ihres Arbeitgebers.
Und immer, wenn jemand im Rundfunk sagt, wir werden ärmer und wir müssen etwas dagegen tun, dann definiert sich die Mehrheit der Menschen als noch Mittelschicht — der Ingenieur bei Siemens, die Projektmanagerin bei SAP, der Anwalt in der Großkanzlei. Sie definieren sich über den Abstand nach unten. Sie sehen die 13 Millionen Armen und denken: Ich bin nicht wie die. Mein Status ist höher, ich habe den größeren Garten, das bessere Auto, die Gucci-Tasche oder den Audi A4 statt nur den Golf.
Aber nach Matteis Analyse ist diese Unterscheidung schlicht eine Illusion. Strukturell ist die Situation der Mittelschicht zur Arbeiterklasse identisch. Mit mehr Puffer, gewiss. Mit besserer Absicherung — vielleicht auch mit einem kleinen Indexfonds. Aber in derselben fundamentalen Abhängigkeit: Wer aufhört zu arbeiten, hört auf zu existieren — ökonomisch, sozial, psychisch.
Über 91 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind abhängig Beschäftigte. Bezieht man die Rentner ein, die von den Erträgen ihrer früheren Lohnarbeit leben, die Arbeitslosen, die Studierenden, die Kinder — dann stehen auf der Seite der Lohnarbeit nicht 13 Millionen, sondern 75 oder 80 Millionen Menschen.
Doch das wirklich Absurde: Diese Mehrheit lässt sich nach wie vor durch eine sehr kleine Minderheit ein Märchen erzählen — und verinnerlicht es. Dabei sind die Machtverhältnisse komplett anders. Sie sind grotesk asymmetrisch — zugunsten der Lohnabhängigen.
III.
Die Gewerkschaften des frühen 20. Jahrhunderts wussten genau, was diese Macht bedeutet. Sie wussten, dass die Arbeiter die Produktion kontrollieren. Dass ohne ihre Hände, ihre Köpfe, ihre Bereitschaft, morgens aufzustehen und in die Fabrik zu gehen, nichts passiert. Kein Rad dreht sich. Keine Maschine läuft. Kein Profit wird erwirtschaftet.
Und sie wussten, warum diese Macht nicht genutzt wurde: weil Streik Tod bedeuten konnte. Nicht metaphorisch — wörtlich. Wer in den 1920er Jahren streikte, riskierte, dass seine Familie hungerte. Die Gewerkschaftskassen waren buchstäblich Überlebensmittel. Sie machten den Unterschied zwischen dem Ausüben von Macht und dem Verhungern. Und Mattei zeigt, dass in den Jahren 1919 und 1920 diese Macht tatsächlich genutzt wurde, um bessere Bedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter zu erzielen. Sie hatten erkannt: Sie können etwas tun.
Doch es scheint, als wäre es ein Tabu, es auszusprechen: Diese Bedingung existiert nicht mehr. Wer streikt, riskiert nicht zu verhungern. Wer streikt, riskiert nicht seinen Job.
Niemand verhungert mehr am Streik. Nicht in Deutschland, nicht in Österreich, nicht in irgendeinem westeuropäischen Land. Ein langer Streik ist belastend, finanziell schmerzhaft, psychisch fordernd. Aber er ist nicht tödlich. Die existenzielle Bedrohung — die einzige, die historisch die Ausübung der Arbeitermacht wirklich verhindert hat — ist weggefallen. Arbeitsschutzgesetze machen es sogar unmöglich, einen Streikenden während des Streiks zu kündigen.
Die materielle Voraussetzung für die Ausübung demokratischer Gegenmacht ist also gegeben. Sie war es historisch nie zuvor in diesem Ausmaß. Die echte Existenzangst ist nicht mehr da. Die Fülle — also die Möglichkeit, die eigene Macht zu nutzen und für die eigenen Interessen zu streiten — ist da. Nicht als Theorie, nicht als Wunschdenken, sondern als harte materielle Realität.
Und doch wird sie nicht gesehen. Wird sie vielleicht nicht gewollt — von denen, die sie sehen könnten?
IV.
Vor allem: Diese Macht wird, weil sie nicht gesehen wird, nicht genutzt.
Ich beobachte seit 25 Jahren, dass die „Arbeiter" — ich bezeichne in diesem Essay jeden, der für sein Gehalt arbeitet, als Arbeiter — eigentlich immer an der Macht sind. Ich habe mich immer gefragt, warum die Krankenpflegerinnen und die Softwareentwickler so tun, als hinge der Betrieb eines Krankenhauses oder die Entwicklung eines Software-Produkts von den Ärzten oder den Managern ab. Wenn die Pflegerinnen nicht wollen, passiert in einem Krankenhaus gar nichts. Wenn die Entwickler den Code so schreiben, dass er nicht mehr funktioniert — was will das mittlere Management dagegen tun?
Das ist die Groteske, um die es in diesem Essay geht. Nicht dass die Menschen arm sind — obwohl 13 Millionen es sind, und das ist ein Skandal. Grotesk ist nicht, dass die Politik versagt, denn sie tut es nicht. Sie macht genau das, was sie soll: die Herrschaft stabilisieren.
Nein — grotesk ist, dass die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft über eine Macht verfügt, die sie nicht ausübt, obwohl die Bedingungen für die Ausübung der eigenen Macht besser sind als je zuvor in der Geschichte.
Van Vogt (1951) hat das in The Weapon Shops of Isher als Science-Fiction erzählt: In einem tyrannischen Imperium betreibt eine geheime Gesellschaft Waffenläden mit dem Motto: „The right to buy weapons is the right to be free." Die Waffen, die dort verkauft werden, können nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden — ein eingebauter Mechanismus verhindert den Angriff, ein Energieschild schützt den Träger. Wer ungerecht behandelt wird, kann hingehen und sich die Mittel zur Gegenwehr holen. Die Waffen sind da. Der Laden ist offen. Und trotzdem herrscht die Kaiserin weiter — weil die meisten Menschen nicht hingehen.
Das ist, in einer Metapher, die Situation der 42,5 Millionen Lohnabhängigen in Deutschland. Die Waffe heißt Streikrecht, Wahlstimme, kollektive Verweigerung. Der Laden ist offen. Niemand geht hin. Dass es anders geht — dass jemand den Laden betreten hat und zurückgekommen ist —, zeige ich später.
Warum steht niemand auf? Das frage ich mich schon sehr lange. Warum geht niemand auf die Straße für mehr Lohn? Warum werden Kinder noch immer in Schulen gepfercht, die nicht funktionieren? Warum lassen wir zu, dass uns erzählt wird, wir brauchen Atomstrom, obwohl der teurer ist als der Solarstrom aus dem eigenen Garten — und warum muss ich den überhaupt versteuern? Ich mache den Strom für den Eigenbedarf. Ich muss das Brot, das ich mir backe, auch nicht versteuern — oder die Äpfel, die ich in meinem Garten ernte, abgeben. Noch nicht jedenfalls.
Erst in den letzten Wochen ist mir — auch durch die Auseinandersetzung mit Mattei, Butterwegge und anderen — deutlicher geworden, woran es liegen könnte.
Zunächst: Die Standardantworten greifen nicht.
„Die Leute sind uninformiert" ist keine Analyse. „Propaganda" erklärt nicht, warum sie wirkt. „Falsches Bewusstsein" setzt voraus, dass es ein richtiges gibt, das man nur besser kommunizieren müsste.
Erst letzte Woche gab es auf LinkedIn zu einem meiner Artikel den Einwand, die Leute wählten halt falsch, weil sie es nicht verstünden, obwohl man doch für sie arbeiten würde.
Doch das kann nicht sein: Die Informationen sind verfügbar. Die Zahlen sind öffentlich. Die strukturelle Analyse existiert. Die Menschen wissen oft sehr genau, dass eine Politik, die Lohnarbeit schützt, ihnen materiell mehr bringen würde. Vor allem spreche ich hier von der gebildeten Mehrheit der Menschen — auch das paternalistische „die Armen können es halt nicht wissen" greift nicht. Es geht sogar weiter: Schreibt man einen Artikel darüber, dass die Freizügigkeit des Einzelnen eingeschränkt wird, muss man sich dafür rechtfertigen, dass man für alle einsteht — mit dem falschen Argument, es wäre schon immer so gewesen.
Und Heiner Flassbeck kann noch so viel schimpfen in seinen Interviews und Podcasts. Er kommt nicht durch. Die Menschen wählen, derzeit in Deutschland und Österreich, trotzdem anders.
V.
Die Antwort liegt tiefer als in der Ökonomie. Sie liegt in der Frage: Wie ist es möglich, den Menschen einzureden, sie könnten nicht alles haben — während eine kleine Minderheit alles hat? Das Knappheitsnarrativ macht etwas mit uns. Nicht mit unseren Geldbeuteln, sondern mit unseren Köpfen.
Eine mögliche Ursache: Der Lohnabhängige von 2026 hat einen Kredit, eine Wohnung, ein Auto auf Raten, einen Lebensstandard, der auf kontinuierlichem Einkommen basiert — und er bekommt den Kredit übrigens nur, wenn er ein kontinuierliches Einkommen hat. Der Selbständige, der kein Vermögen hat, bekommt von der Bank nichts. Ich musste für Kredite für meine Firma immer mein Privatvermögen als Sicherheit einbringen.
Der Einzelne verhungert in der Krise nicht — aber er könnte sein Haus verlieren. Seinen Status. Seine Position in einer sozialen Hierarchie, an die seine gesamte Selbstachtung geknüpft ist. Wobei die neue Grundsicherung auch diese Sicherheit gerade ankratzt — wer aus dem System fliegt, weil er oder sie nicht die zugewiesene Arbeit annimmt, verliert alles. Die Sanktionslogik des § 31 SGB II macht das möglich: Wer eine zugewiesene Arbeit ablehnt, verliert stufenweise die Grundsicherung — bis auf null. Was die Frage aufwirft, ob das nicht an Arbeitslager erinnert.
Die Disziplinierung durch Knappheit funktioniert heute ohne materielle Not — obwohl der Staat gerade dabei ist, mit Hunger zu drohen. Man braucht nur ein System, in dem Menschen sich freiwillig in Abhängigkeitsstrukturen begeben — Hypotheken, Konsumkredite, Ratenzahlungen —, die jeden Ausbruch existenziell fühlen lassen, ohne dass er existenziell ist.
Die andere Ursache: Atomisierung. Die Gewerkschaften des frühen 20. Jahrhunderts konnten kollektive Macht organisieren, weil kollektive Strukturen existierten: Fabriken, Viertel, Vereine, Kirchen. Heute: Homeoffice, Gig Economy, befristete Verträge, Plattformarbeit. Die materielle Macht liegt bei den Arbeitern — aber sie können sie nicht kollektiv ausüben, weil die Infrastruktur der Kollektivität systematisch zerstört wurde. Das war kein Zufall. Thatcher formulierte 1987 in einem Interview mit Woman's Own: „There is no such thing as society." Reagan zerschlug die Gewerkschaft der Fluglotsen. Und mit genau dem Argument, das wir heute bei jedem Streik der Bahner, der Pflegekräfte oder der Lehrerinnen hören: Wie können die es wagen, das öffentliche System zu benutzen, um für höhere Löhne zu kämpfen? Die Streikenden schaden dem Allgemeingut. Stimmt — aber de facto hat genau der Staat die Macht, höhere Löhne zu zahlen. Er müsste es nur tun. Und die modernisierte Form der Austerität ist nicht die Lohnsenkung. Es ist die Organisationsverhinderung — wer sich nicht organisieren kann, weil kein Raum da ist, weil keine Gemeinschaft entstehen kann, weil auch das Geld kostet, der kann sich nicht gemeinschaftlich wehren.
Und schließlich — hier wird es für jeden Einzelnen unbequem: Wir disziplinieren uns selbst. Brown (2015) hat in Undoing the Demos beschrieben, wie der Neoliberalismus nicht nur Märkte formt, sondern Subjekte: „Marktprinzipien rahmen jede Sphäre und jede Aktivität ein, vom Muttersein bis zur Partnerwahl, vom Lernen bis zur Kriminalität" (Brown, 2015, S. 10). Menschen begreifen sich selbst als Unternehmen, selbst verantwortlich für Erfolg und Scheitern. Die Ich-AG war das Schlagwort der späten Neunziger. Und heute zeigen uns die Heilsprediger: Wenn du nur das oder das tust, schaffst du es alleine. KI-Unternehmen sollen mit wenigen Menschen, am besten allein, groß werden — sicher, den einen oder die andere wird es geben. Und es gibt Leute, die schaffen den Durchbruch als Influencer:innen. Und dann haben sie plötzlich ganze Teams, die möglich machen, dass aus dem Influencer ein Medienkonzern wird.
Butterwegge bringt es auf den Punkt: Der Neoliberalismus ist nicht tot — er hat sich normalisiert und ist in die Köpfe hineingewandert. Menschen fragen sich selbst: Was lohnt sich? Was ist betriebswirtschaftlich effizient? Solidarität und soziales Verantwortungsbewusstsein gehen dabei verloren. Wer in dieser Logik lebt und scheitert, dem ist nicht das System schuld, sondern er sich selbst. Ich habe in Connecting the Dots gezeigt, wie perfide diese Erzählung ist — und wie sie sich selbst verstärkt, weil es dem einen oder der anderen sogar gelingt, den Traum zu verwirklichen. Sennett und Cobb (1972) haben das beschrieben: Die hidden injuries of class — die verborgenen Verletzungen des Klassensystems — bestehen nicht nur aus materiellem Mangel, sondern aus Scham, Ambivalenz und dem Zwang, den eigenen Aufstieg als Beweis gegen die eigene Herkunft zu verteidigen. Sennett und Cobb fragten: „Was geschieht mit der Würde, die Menschen in sich selbst und ineinander sehen, wenn ihre Freiheit durch Klasse beschnitten wird?" Ihre Antwort: „Alle Träume von Individualität kreisen um die Frage der gemeinsamen Würde" (Sennett & Cobb, 1972). Wer es geschafft hat, muss glauben, dass es an ihm lag — denn die Alternative wäre, anzuerkennen, dass er Glück hatte und 85 bis 92 Prozent der Menschen aus derselben Schicht es nie schaffen werden. Selbst Schröder sonnt sich in der eigenen Leistung — und verrät damit die eigene Herkunft. Psychologisch ist das fast unvermeidlich: Der Aufstieg aus der Arbeiterklasse bedeutet immer auch den Bruch mit ihr. Man gehört nicht mehr dazu, und der Erfolg der Aufsteiger ist fast immer mit dem „Verrat" an der eigenen Klasse gleichzusetzen. Bourdieu (2002, S. 127) nannte es den gespaltenen Habitus — habitus clivé: Man hat die Codes der neuen Klasse gelernt, aber der Körper erinnert sich an die alte. Daraus entstehen Loyalitätskonflikte, die das gesamte Selbstbild destabilisieren. Aber das ist ein anderer Essay.
Und wenn dann jemand einsteht — zum Beispiel eine Partei wie Die Linke, die sagt „das System ist schuld" —, bedroht sie damit das Letzte, was scheinbar noch bleibt: die Überzeugung, dass man es hätte schaffen können.
Und leider gibt das andere Lager genau diese Bestätigung. Die Rechte sagt: Du bist in Ordnung. Die anderen sind das Problem — die Juden, die Ausländer:innen, die Palästinenser:innen, die Migrant:innen, die Bürgergeldempfänger:innen. Wegen diesen Randgruppen kommst du nicht hoch. Kämpfe gegen sie, entsolidarisiere dich auf der ganzen Linie, dann wird es dir gut gehen. Da hilft es dann auch nichts, dass man mit Zahlen beweisen kann, dass das schlicht Unfug ist — ökonomisch steht ein Staat mit dieser Politik in der Regel schlechter da. Ungarn ist nach 16 Jahren rechter Politik das EU-Land mit dem niedrigsten tatsächlichen Lebensstandard — hinter Bulgarien, hinter Rumänien. Laut Eurostat (2025) lag der tatsächliche individuelle Konsum bei nur 72 Prozent des EU-Durchschnitts, letzter Platz unter allen 27 Mitgliedstaaten. Die kumulative Inflation seit 2020 betrug 57 Prozent — fast doppelt so viel wie im EU-Schnitt. Im April 2026 haben die Ungarn Orbán abgewählt.
VI.
Damit sind wir bei der Frage, die jede Krise seit der Weimarer Republik stellt und die nie positiv — im Sinne von: überwunden — beantwortet wird: Warum gewinnt die Rechte, nicht die Linke?
An Erklärungsversuchen mangelt es nicht. Adorno und seine Kollegen (Adorno et al., 1950) untersuchten in The Authoritarian Personality, warum Menschen sich autoritären Führern unterwerfen — und fanden die Antwort in der Kinderstube: strenge, strafende Erziehung erzeugt Menschen, die nach oben buckeln und nach unten treten. Fromm (1941) fragte in Die Furcht vor der Freiheit, warum Menschen vor der eigenen Autonomie fliehen — und in die Arme von Diktatoren. Mitscherlich (1963) argumentierte in Die vaterlose Gesellschaft, dass die moderne Industriegesellschaft die Vaterfigur als Autoritätsmodell zerstört habe — und dass Menschen ohne innere Autorität nach äußeren Führern suchen. Die Erklärungen sind da. Sie sind brillant. Und sie ändern nichts. Wir stehen in den 2020er Jahren am selben Punkt wie in den 1920ern.
Ich glaube die Antwort ist einfacher und brutaler, als die linke Analyse es wahrhaben will: Die Linke verliert nicht, weil sie nicht verstanden wird. Die SPD verliert nicht, weil sie kommunikativ nicht erklären kann, was sie tolles geleistet hat — bei der Bundestagswahl 2025 fiel sie auf 16,4 Prozent, und bei den Arbeitern halbierte sich ihr Stimmenanteil auf 12 Prozent. Die Gewerkschaften werden nicht unbedeutend, obwohl sie doch für ihre Mitglieder kämpfen.
Nein — es ist viel einfacher und gleichzeitig komplexer. Das linke Denken ist selbst noch im Paradigma der Knappheit gefangen. Fisher (2009) hat das in Capitalist Realism auf den Punkt gebracht — mit einem Satz, der ursprünglich von Jameson (2003) stammt und den Fisher zum Leitmotiv machte: „It is easier to imagine the end of the world than the end of capitalism" (Fisher, 2009, S. 1). Und das gilt nicht nur für die Rechte — es gilt gerade für die Linke. Auch die linke Philosophie ist eine Knappheitsphilosophie. Sie will Knappheit — Herrschaft, Zugang, Ressourcen — gerechter verteilen, statt sie als Konstruktion zu entlarven. Selbst Gramsci, der brillanteste Analytiker kultureller Herrschaft im 20. Jahrhundert, dachte Hegemonie als etwas, das erobert werden muss — nicht als etwas, das durch die Herstellung von Fülle überflüssig wird. Fraser (1995) hat gezeigt, wie die Linke sich in ein Dilemma zwischen Umverteilung und Anerkennung manövrierte — und beide Pole bleiben im Knappheitsrahmen: Entweder wird Geld umverteilt oder Aufmerksamkeit. Immer ein Nullsummenspiel. Murray Bookchin war einer der wenigen, der schon 1971 in Post-Scarcity Anarchism den Marxismus dafür kritisierte, dass er in den materiellen Bedingungen des 19. Jahrhunderts stecken geblieben war — obwohl die Technologie längst Überfluss ermöglicht - doch meines Wissens hat sich sein Denken nicht durchgesetzt.
Lakoff (2004) hat aus der kognitiven Linguistik heraus gezeigt, warum das politisch tödlich ist. Seine Grundregel: „Wenn du gegen die andere Seite argumentierst, benutze nicht ihre Sprache. Ihre Sprache ruft ihren Frame auf — und es wird nicht der Frame sein, den du willst" (Lakoff, 2004, S. 15). Wer das Wort „Umverteilung" benutzt, aktiviert den Frame der Knappheit — selbst wenn er Gerechtigkeit meint. Die Linke kämpft mit den Begriffen des Gegners. Sie sagt „Schuldenbremse lockern" statt „in Zukunft investieren". Sie sagt „Reiche besteuern" statt „Fülle für alle". Sie operiert in der Sprache der Knappheit und wundert sich, dass die Menschen Knappheit empfinden.
Man muss sich nur die Sprache anschauen. Die Linke ging 2025 mit dem Slogan in den Wahlkampf: „Reichtum teilen. Preise senken. Füreinander." Drei Worte, drei Mal Knappheit. Teilen setzt voraus, dass es nicht genug gibt. Senken setzt voraus, dass etwas zu viel ist. Füreinander klingt warm, aber die Grammatik ist: Wir kümmern uns um euch. Dazu: „Wir gemeinsam gegen die da oben." Und: „Große private Kapitalvermögen müssen endlich gerecht besteuert werden." Das ist Umverteilung — und Umverteilung bestätigt die Knappheit. Wer umverteilt, sagt implizit: Es gibt nicht genug für alle, also müssen wir es besser aufteilen.
Die SPD machte es nicht besser. Ihr Slogan zur Bundestagswahl 2025: „Wir kämpfen für Dich und Deutschland." Dann die Leistungsbilanz — höherer Mindestlohn, mehr Kindergeld, Deutschlandticket. Wir haben für euch gekämpft. Nicht: Ihr habt die Macht. In keinem einzigen Satz der SPD-Kampagne kommt der Gedanke vor, dass die 42,5 Millionen Lohnabhängigen selbst die Stärkeren sind.
Die Linke betreibt rund 120 kostenlose Sozialberatungsstellen im ganzen Land. Sie nennt sich selbst „Kümmererpartei." Der Dreiklang auf ihrer Website: „Beraten. Organisieren. Kämpfen." Nicht falsch verstehen: Ich finde es sympathisch und richtig, Mietwucherrechner anzubieten, den Menschen in Bürgersprechstunden konkret zu helfen. Doch Die Linke ist nicht der Waffenhändler von Isher. Sie schafft es nicht — im Gegensatz zu van Vogts Idee —, dass der Mensch sich selbst schützen kann. Wir beraten. Wir organisieren. Wir kämpfen. Nie: Ihr habt die Macht.
„Wir kümmern uns um euch" ist ein Satz, der leider auch negativ wirkt: Er zeigt die Macht dessen, der sich kümmert, über den, um den gekümmert wird.
Und die linke Bewegung moralisiert — verrückterweise aus einer guten Absicht heraus, denn natürlich geht es allen besser, wenn alle solidarisch sind. „Ihr müsst solidarisch sein, ihr müsst Verzicht üben, ihr müsst eure Vorurteile ablegen." Doch es schlägt ins Gegenteil um. Diese Sprache adressiert Menschen, die sich bereits machtlos fühlen, mit weiteren Forderungen — und erhöht erst einmal die Belastung, und sei sie nur eingebildet.
Die Rechte bietet auf den ersten Blick Würde durch Zugehörigkeit — und verachtet gleichzeitig ihre eigenen Wähler. Doch es kommt an: Du bist Deutscher, Österreicher, Teil eines Volkes. Das ist eine Lüge, aber sie funktioniert, weil sie auf ein reales Bedürfnis antwortet. Die Linke bietet Hilfe. Die Rechte bietet Identität. In der Krise gewinnt Identität.
Die Leute wollen eine Partei, die sie repräsentiert. Kein zweites Sozialamt.
Aber das Muster ist nicht unausweichlich.
VII.
Im November 2025 gewann ein 34-jähriger demokratischer Sozialist namens Zohran Mamdani die Bürgermeisterwahl in New York City — gegen Andrew Cuomo, das Inbild des demokratischen Establishments. Mamdani, geboren in Uganda, Sohn einer Filmemacherin und eines postkolonialen Akademikers, aufgewachsen in Queens, nach dem Studium als Berater für Zwangsräumungsprävention tätig. Er hatte keine Großspender — seine Kampagne finanzierte sich aus über 12.000 Kleinspenden, im Schnitt 77 Dollar. Er hatte kein Partei-Establishment hinter sich, keinen Cuomo-Apparat, keine Medienmacht. Was er hatte, war eine Bewegungsinfrastruktur — die Democratic Socialists of America mit 50.000 Freiwilligen, die Working Families Party, die Krankenpfleger-Gewerkschaft NYSNA, die Stadtarbeiter von AFSCME. Und er hatte eine Erzählung, die das übliche linke Repertoire sprengte.
Er sagte in seiner Siegesrede zu den Lagerarbeitern: „So lange wir uns erinnern können, haben die Reichen und Gut-Vernetzten den arbeitenden Menschen New Yorks gesagt, dass die Macht nicht in ihre Hände gehört — Hände, die blau sind vom Kistenheben.”
Das ist keine Umverteilungsrhetorik. Das ist eine Würde-Erzählung. Keine Hilfe von oben, sondern die Anerkennung einer Macht, die bereits existiert. „Die Macht gehört in eure Hände” — das ist ein anderer Satz als alles, was die SPD oder Die Linke je formuliert haben. Grammatisch, politisch, existenziell.
Und sein Programm war keine Umverteilung, sondern eine Fülle-Politik: kostenlose Stadtbusse, universelle Kinderbetreuung, staatliche Supermärkte, Mietenstopp. Nicht „wir nehmen den Reichen und geben den Armen” — sondern „die Stadt kann das bereitstellen, die Mittel sind da”. Das klingt banal, aber der Unterschied ist fundamental: Umverteilung bestätigt die Knappheit. Fülle bestreitet sie.
In seinen ersten 100 Tagen zog Mamdani sich eine Warnweste an und reinigte mit Müllarbeitern illegale Müllkippen. Setzte sich an ein Bürgertelefon und nahm Anrufe entgegen. Füllte persönlich Schlaglöcher — 100.000 in hundert Tagen — und nannte es „Pothole Politics”: „unsere Antwort auf den Kanalsozialismus von 2026, wo die Regierung nicht zu beschäftigt, nicht zu wichtig und nicht zu bürokratisch ist, um die Probleme der Stadt zu lösen, egal wie groß sie sind.”
Aber es blieb nicht beim Symbol. Am achten Tag seiner Amtszeit sicherte er gemeinsam mit Gouverneurin Hochul 1,2 Milliarden Dollar für universelle Kinderbetreuung — zum ersten Mal in der Geschichte New Yorks bekommen Zweijährige kostenlose Ganztagsbetreuung, beginnend in den ärmsten Vierteln: Canarsie, Brownsville, Ozone Park. Eine Mutter in Brownsville, die bisher zwischen Teilzeitjob und unbezahlter Betreuung pendelte, kann jetzt arbeiten — nicht weil jemand für sie kämpft, sondern weil die Infrastruktur da ist. Er trieb die Eröffnung des ersten städtischen Supermarkts voran — La Marqueta in East Harlem, ein Laden, der Lebensmittel zum Einkaufspreis verkauft, ohne Gewinnmarge. Er erwirkte mehr als 9 Millionen Dollar Rückzahlungen an betrogene Arbeiter und Kleinunternehmer. Weitete den bezahlten Urlaub auf 4,3 Millionen Beschäftigte aus. Und kündigte an, die Busfahrzeiten auf 45 Hauptstrecken um 20 Prozent zu senken.
Jede einzelne dieser Maßnahmen ist eine Erfahrung von Fülle. Ein Kind wird betreut. Ein Schlagloch ist gefüllt. Ein Supermarkt verkauft Essen zu Preisen, die nicht den Gewinn eines Investors finanzieren. Das ist nicht Symbolpolitik. Das ist der Beweis, dass der Staat funktioniert, wenn jemand will, dass er funktioniert.
Aber Mamdani ist kein Märchen. Die Knappheit, die er bekämpft, schlägt zurück — und sie kommt von genau den Strukturen, die Mattei beschrieben hat. Die Immobilienlobby gründete während des Wahlkampfs ein Komitee namens „Housing For All” — ein zynischer Name — und pumpte 2,3 Millionen Dollar in Cuomos Kampagne, um den Mietenstopp zu verhindern. Ein von Mamdani unterstütztes Wohnungsbaugesetz starb im City Council, nachdem Ratsmitglieder unter dem Druck der Vermieterlobby ihre Stimmen zurückzogen. Und sein Kernversprechen — kostenlose Stadtbusse — scheiterte an Albany. Gouverneurin Hochul, die bei der Kinderbetreuung noch kooperierte, blockierte die 700 Millionen Dollar für den fahrscheinlosen Nahverkehr. Ein Senator aus dem Transportausschuss erklärte lapidar: „finanziell nicht machbar.”
Die Knappheit wurde per Dekret hergestellt. Nicht weil das Geld fehlt — New York State hat einen Haushalt von über 230 Milliarden Dollar. Sondern weil die politische Entscheidung lautet, dass Busse nicht kostenlos sein dürfen. Genau das ist Matteis Austerität in Echtzeit: Der Staat könnte liefern. Er entscheidet sich dagegen.
Mamdani musste zurückrudern — auf ein Pilotprogramm mit drei Linien pro Bezirk. Die konservativen Medien feiern das als Beweis, dass sozialistische Politik scheitert. Aber das Gegenteil ist der Fall: Es zeigt, wie viel Kraft das System aufwenden muss, um eine Fülle-Politik zu verhindern, die technisch möglich und fiskalisch finanzierbar wäre. Mamdani gewinnt dort, wo er niemandes Erlaubnis braucht — Schlaglöcher füllen, städtische Supermärkte eröffnen, Arbeiterrechte per Bürgermeister-Verordnung ausweiten. Die Fülle-Politik funktioniert. Sie wird dort blockiert, wo die Kapitalordnung sich bedroht fühlt.
Das Muster ist nicht auf New York beschränkt. In Deutschland wird ununterbrochen erklärt, es sei kein Geld da — für Schulen, für Brücken, für den öffentlichen Nahverkehr. Gleichzeitig wurde ein Sondervermögen von hundert Milliarden Euro für die Bundeswehr geschaffen, ohne dass jemand fragte, woher das Geld kommt. Die Schuldenbremse abzuschaffen wäre möglich — die CDU würde die Zweidrittelmehrheit sofort bekommen, wenn sie ein von Mamdani inspiriertes Konzept vorlegen würde: Investitionen in Kinderbetreuung, Nahverkehr, öffentliche Infrastruktur. Nicht als Umverteilung, sondern als Bereitstellung. Nicht als Almosen, sondern als Grundrecht. Dass es nicht geschieht, ist keine fiskalische Notwendigkeit. Es ist eine politische Entscheidung.
Und trotzdem gelingt es Mamdani, die tiefste Skepsis der Mehrheit aufzuweichen: „Es ändert sich sowieso nichts.” Er zeigt: Es ändert sich etwas. Nicht alles. Nicht sofort. Aber morgen. Vor deiner Haustür. Das macht Fülle erlebbar. Und wer sieht, dass sich etwas ändert, der macht mit.
VIII.
Die Frage, die sich aufdrängt: Warum geht so etwas in Deutschland nicht?
Es liegt nicht am Mangel an Analyse. Höfgen (2020) hat mit Mythos Geldknappheit die fiskalische Grundlage gelegt: Der Staat — verstanden als Währungsherausgeber — kann seine Ausgaben nicht „nicht finanzieren". Die Modern Monetary Theory zeigt, dass die Frage „wie sollen wir das bezahlen?" eine politische Nebelkerze ist, keine ökonomische Realität. Die intellektuelle Infrastruktur für eine Fülle-Politik existiert.
Was nicht existiert, ist die politische Praxis.
Das hat drei Gründe.
Erstens: Das deutsche Parteiensystem selektiert Fülle-Positionen aus. Als die Ampel-Koalition 2024 über den Haushalt zerbrach, ging es nicht um die Frage, ob der Staat investieren soll — darüber waren sich SPD und Grüne einig. Es ging um die Frage, ob er investieren darf. Finanzminister Lindner bestand auf der Schuldenbremse, die SPD wagte keinen offenen Bruch. Kevin Kühnert, damals noch Generalsekretär, nannte Lindners Kurs einen „schulmeisterlichen Sparkurs" — aber die SPD hatte drei Jahre lang mitgetragen, was sie kritisierte. 2009 hatten über hundert Ökonomen — unter ihnen Peter Bofinger und Gustav Horn — vor der Einführung der Schuldenbremse gewarnt (Bofinger et al., 2009). Die SPD stimmte trotzdem zu. Wer in der SPD Karriere macht, hat die Schuldenbremse internalisiert, bevor er ins Amt kommt. Wer sie öffentlich in Frage stellt, wird als „unsolide" markiert — ein Todesurteil in der deutschen politischen Kultur. Heiner Flassbeck, ehemaliger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Chef-Volkswirt der UN-Handelskonferenz UNCTAD, hat es sinngemäß so beschrieben: In den meisten Ländern gelte er als Mainstream-Ökonom. Nur in Deutschland sei er weit links. Ein Mann, der die UN beraten hat, wird im deutschen Diskurs nicht mehr gefragt — weil seine Position die Knappheitsprämisse in Frage stellt.
Zweitens: Die Schuldenbremse selbst. Seit 2009 im Grundgesetz verankert, kodifiziert sie die Prämisse, dass der Staat knapp ist. Das Ergebnis lässt sich beziffern: Laut KfW-Kommunalpanel (KfW Research, 2025) beträgt der Investitionsstau in deutschen Kommunen 215,7 Milliarden Euro — ein Rekord. Allein bei Schulgebäuden fehlen 67,8 Milliarden. Bei Straßen und Verkehrsinfrastruktur 53,4 Milliarden. 32 Prozent der Kommunen sehen keinen finanziellen Spielraum mehr für regelmäßige Instandhaltung ihrer Straßen. Mamdani konnte sagen: „Die Stadt kann das bereitstellen." In Deutschland lautet die Antwort: „Das verbietet die Verfassung."
Dass das eine politische Entscheidung ist und keine fiskalische Notwendigkeit, bewies der Bundestag im Juni 2022 selbst: Mit 593 zu 80 Stimmen änderte er das Grundgesetz, um ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr zu schaffen (Deutscher Bundestag, 2022) — ausdrücklich ausgenommen von der Schuldenbremse. Für Panzer war die Verfassung änderbar. Für Schulen nicht. Die Knappheitslogik ist nicht nur ideologisch — sie ist konstitutionell verankert und wird selektiv durchgesetzt. Das ist, in der Logik dieses Essays, die institutionalisierte Form genau jener Austerität, die Mattei für die 1920er Jahre beschrieben hat — nur eleganter, weil sie sich als Vernunft tarnt.
Drittens — und hier liegt das tiefste Problem: Die deutsche Linke hat ein Gerechtigkeitsnarrativ, aber kein Würde-Narrativ. „Gerechtigkeit" heißt: jemandem etwas wegnehmen und jemandem anderen geben. Das erzeugt Widerstand, weil es ein Nullsummenspiel impliziert. „Würde" heißt: Du hast bereits einen Anspruch, und die Mittel, ihn einzulösen, sind da. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Und keine politische Kraft in Deutschland spricht die zweite Sprache.
IX.
Zunächst: Veränderung erzeugt Angst. Viele Transitionen scheitern, weil Menschen lieber am Bekannten festhalten — da weiß man, was man hat. Wenn ich dem Ergebnis nicht vertrauen kann, weil ich es noch nicht kenne, kann ich nur dem Prozess vertrauen: der Tatsache, dass ich im Tun gestalten kann. Ich bin nicht mächtig, weil ich den anderen beherrsche oder das Ergebnis vorwegnehme. Ich bin mächtig, weil ich handeln kann. Mattei nennt das Agency — Handlungsfähigkeit als Grundrecht, nicht als Privileg.
Und wer, wenn nicht Hannah Arendt, würde mir in diesem Gedanken beipflichten. Sie hat Handeln — action — als die höchste menschliche Tätigkeit beschrieben: „Es liegt in der Natur des Anfangs, dass etwas Neues begonnen wird, das nicht aus dem Vorherigen erwartet werden konnte" (Arendt, 1958, S. 177). Arendt nannte das Natalität — die Grundtatsache, dass mit jeder Geburt etwas radikal Neues in die Welt kommt. „Das Wunder, das die Welt rettet," schrieb sie, „ist letztlich die Tatsache der Natalität" (Arendt, 1958, S. 247). Doch das wird nur geschehen, wenn Menschen bereit sind, diese Idee zu wählen. Und dafür braucht es einen öffentlichen Raum, in dem Menschen einander als Gleiche begegnen und gemeinsam etwas anfangen können.
Die Austerität — verstanden als System, nicht als Maßnahme — zerstörte und zerstört genau diesen Raum. Sie zerstört ihn materiell, indem sie öffentliche Räume veröden lässt: Bibliotheken schließen, Schwimmbäder privatisieren, Parks verwahrlosen. Sie zerstört ihn psychisch, indem sie Menschen in eine Logik der individuellen Selbstoptimierung drängt, in der für gemeinsames Handeln weder Zeit noch Energie bleibt. Und sie zerstört ihn politisch, indem sie die Prämisse etabliert, dass es nicht genug gibt — und dass deshalb jeder Anspruch eines anderen eine Bedrohung für den eigenen ist.
Wie kommen wir also raus? Raus aus dem Lock-in, dem Narrativ der Verknappung, der Verarmung der Massen zugunsten der Hyperreichen?
Nicht durch ein besseres Argument. Nicht durch eine klügere Partei. Sondern durch ein neues Angebot — eines, das dem Prinzip der Waffenhändler von Isher folgt: Erst Fülle herstellen, dann Selbstermächtigung ermöglichen. Nicht Hilfe, die abhängig macht, sondern Grundlagen, die handlungsfähig machen.
Das radikal Neue wäre die Erfahrung des Wohlstands — nicht als Versprechen, sondern als sichtbare Tatsache. Büchereien, die wieder öffnen. Das Deutschlandticket, das kostenfrei wird. Hochschulen, die ausgebaut werden. Die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, die abgeschafft wird. Kinder, die in die Schule gefahren werden — in Japan hielt die Bahngesellschaft JR Hokkaido die Station Kyū-Shirataki bis 2016 offen, obwohl nur eine Handvoll Schüler sie nutzte; der Staat als Infrastruktur, nicht als Kostenstelle. Krankenversorgung, die kostenfrei wird. Ein Mindestlohn von 20 Euro pro Stunde.
Das ist ein Programm, das eine Partei mit Zweidrittelmehrheit umsetzen könnte — wie es gerade in Ungarn geschehen ist. Einfach so.
Abstrakt? Nein. Es funktioniert bereits. In Irland läuft seit 2022 ein Grundeinkommensprogramm für Künstler: 2.000 Kreative erhalten 325 Euro pro Woche, ohne Bedingungen, ohne Antragsbürokratie, ohne Nachweis. Die Ergebnisse nach drei Jahren: Für jeden investierten Euro flossen 1,39 Euro an die Gesellschaft zurück. Die Teilnehmer verbrachten 24 Stunden pro Woche mit künstlerischer Arbeit — gegenüber 19 in der Kontrollgruppe. Der Anteil derer, die wegen niedrigen Einkommens die Kunst aufgaben, sank von über 56 auf unter 30 Prozent. Das Programm kostete 72 Millionen Euro und erzeugte einen wirtschaftlichen Nutzen von 80 Millionen. Eine Musikerin in Galway, die vorher vier Abende pro Woche kellnerte, verbrachte mit dem Grundeinkommen 24 Stunden pro Woche mit ihrer Kunst. Im Herbst 2025 machte die irische Regierung es dauerhaft. Nicht weil sie sozialistisch ist — Irland ist eines der wirtschaftsliberalsten Länder Europas —, sondern weil die Zahlen es verlangten.
Das ist Fülle-Politik in Reinform. Kein Almosen, keine Umverteilung, kein „wir kümmern uns um euch." Sondern: Wir stellen die Grundlage bereit — und ihr macht daraus, was ihr könnt. Das Ergebnis ist nicht Abhängigkeit, sondern Produktivität. Nicht Dankbarkeit, sondern Würde.
Mamdani macht es auf der Ebene einer Acht-Millionen-Stadt. Irland macht es in einem Sektor. Das Prinzip ist dasselbe: Der Staat liefert die Fülle — kostenloser Nahverkehr, universelle Kinderbetreuung, öffentliche Supermärkte, Grundeinkommen für Kreative —, und die Menschen werden handlungsfähig. Nicht weil jemand es ihnen erlaubt, sondern weil die materiellen Bedingungen es ermöglichen.
Das ist der Unterschied zwischen Hilfe und Ermächtigung. Die Linke sagt: Wir kämpfen für euch. Die Waffenhändler von Isher sagen: Hier ist der Schild — verteidige dich selbst. Mamdani sagt: Die Macht gehört in eure Hände. Irland sagt: Hier sind 325 Euro pro Woche — zeig uns, was du daraus machst. Die Grammatik ist eine andere. Und die Ergebnisse sind es auch.
Ich höre den Einwand. Hickel (2020) argumentiert in Less is More, dass unbegrenzter Überfluss ökologisch unmöglich sei — der Planet habe Grenzen, und Fülle für alle bedeute Raubbau an der Natur. Die Ordoliberalen sagen, die Schuldenbremse schütze künftige Generationen — wer heute auf Pump lebe, belaste seine Enkel. Und die Realisten sagen: Mamdani regiert hundert Tage. Das ist Hoffnung, kein Beweis.
Jeder dieser Einwände hat einen Punkt. Aber keiner widerlegt die These. Hickel hat recht, dass unbegrenztes Wachstum die Erde zerstört — doch Fülle meint nicht unbegrenztes Wachstum. Fülle meint: Die Grundlagen bereitstellen, die bereits produzierbar sind. Kinderbetreuung ist keine Belastung für den Planeten. Kostenlose Busse verbrauchen nicht mehr Ressourcen als Busse mit Fahrschein. Und die Ordoliberalen müssen erklären, warum 100 Milliarden für Panzer die Enkel nicht belasten, aber 67 Milliarden für Schulen schon. Was Mamdani betrifft: Ja, es ist früh. Aber die Alternative — abwarten, bis ein perfekter Beweis vorliegt — ist selbst eine Form der Knappheitslogik. Wer wartet, bis alles sicher ist, handelt nie.
Ich bin nicht der Erste, der das sieht. Bookchin (1971) hat den Gedanken formuliert, präzise und radikal — in Post-Scarcity Anarchism kritisierte er den Marxismus dafür, im 19. Jahrhundert stecken geblieben zu sein, obwohl die Technologie längst Überfluss ermöglicht. Er hatte die Theorie. Er hatte den institutionellen Vorschlag — libertärer Munizipalismus, Demokratie auf Gemeindeebene. Er hatte sogar ein Institut in Vermont. Und er hat sich nicht durchgesetzt.
Warum? Weil er in genau die Falle gelaufen ist, die die Linke immer aufstellt: die Belehrungsfalle. Bookchin war brillant und unerträglich. Er brach mit den Kommunisten, den Trotzkisten, der Ökologiebewegung, den Anarchisten — zuletzt sogar mit dem Anarchismus selbst. Wer mit jedem bricht, hat am Ende niemanden. Sein Programm war für nach der Knappheit. Seine Persönlichkeit war aus der Knappheit: kämpferisch, sektiererisch, im Nullsummenspiel gefangen.
Und ihm fehlte, was Mamdani hat: die Praxis. Kein einziges gefülltes Schlagloch. Keine Stadt, die zeigte, dass es funktioniert. Er sagte „die Sonne scheint" — und wurde für verrückt gehalten. Die einzige ernsthafte Umsetzung seiner Ideen — in Rojava, dem kurdischen Autonomiegebiet in Nordsyrien — kam nach seinem Tod und unter Kriegsbedingungen.
Das ist kein Argument gegen die Fülle-These. Es ist ein Argument dafür, dass die These allein nicht reicht. Wer die Fülle nur behauptet, reproduziert die Belehrungslogik — der Philosoph, der aus der Höhle zurückkehrt. Wer die Fülle herstellt — ein Bus, der fährt, ein Schlagloch, das gefüllt ist, ein Staat, der liefert —, der durchbricht die Logik dort, wo sie sitzt: im Alltag, nicht im Seminar.
X.
Platon erzählt im Höhlengleichnis von Menschen, die in einer Höhle gefesselt sind und die Schatten an der Wand für die Wirklichkeit halten. Einer befreit sich, steigt hinauf und sieht die Sonne. Aber als er zurückkehrt, um den anderen davon zu berichten, halten sie ihn für verrückt.
Genau das geschieht jeden Tag. Wenn ich mit Freunden und Bekannten darüber spreche, dass viel mehr möglich wäre, kommt fast immer dieselbe Reaktion: Dann müssten sich ja alle Ökonomen irren. Vielleicht irren sich nicht alle. Aber die dominierende Doktrin verfehlt etwas Grundlegendes — und die Geschichte ist voll von Doktrinen, die sich als falsch erwiesen haben, nachdem Generationen daran geglaubt hatten. Und so wie ich niemanden belehren kann — und auch nicht will —, brauchen wir einen anderen Weg.
Denn es ist verführerisch, die Situation so zu beschreiben: Die Fülle ist da — die Sonne scheint —, aber die Menschen sehen nur die Schatten der Knappheit. Verführerisch, aber falsch. Platon setzt einen, der sieht, und viele, die blind sind. Das ist eine Belehrungslogik. Und die Belehrungslogik ist genau das, was die Linke immer falsch macht.
Die Fülle wird nicht erkannt. Sie wird hergestellt. Nicht von einem Philosophen, der aus der Höhle zurückkehrt, sondern von einer Gemeinschaft, die gemeinsam handelt — im Arendt'schen Sinn: die etwas Neues beginnt, das vorher nicht da war. Einer Gemeinschaft, die sich darüber bewusst wird, dass sie die Macht hat. Sie kann auf die Straße gehen. Sie kann anders wählen. Sie kann fordern, dass ihre Rechte wahrgenommen werden — weil sie erkennt, dass sie bewusst unterdrückt wird.
Die materielle Basis dafür ist vorhanden. 91 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind abhängig Beschäftigte. Niemand von ihnen müsste verhungern, wenn er streikt, protestiert oder seine Wahlstimme anders einsetzt. Die Macht liegt bei der Mehrheit. Die Fülle ist real. Die Knappheit ist konstruiert.
Was fehlt, ist nicht die Analyse. Was fehlt, ist die Erfahrung, dass es anders geht.
Wir haben gesehen, was passiert, wenn es den Vielen wichtig wird. Fridays for Future hat es vorgemacht — plötzlich war die Politik bereit, etwas Neues zu wagen. Und die Gegenbewegung hat sofort eingesetzt. Die Grünen kamen an die Macht, und das Establishment konterte durch knallhartes Festhalten an der Knappheitslogik. Die FDP wollte kein Geld für die ökologische Umstellung hergeben. Für Waffen war sie bereit dazu. Irre, wie präzise sich Matteis Analyse in Echtzeit bewahrheitet.
Ein gefülltes Schlagloch. Ein kostenloser Bus. Ein Staat, der liefert. Das ist alles, was es braucht, um die Groteske zu beenden.
Quellen
- Adorno, T. W., Frenkel-Brunswik, E., Levinson, D. J. & Sanford, R. N. (1950). The Authoritarian Personality. Harper & Brothers.
- Al Jazeera. (2026, 12. April). Peter Magyar wins Hungary election, unseating Viktor Orbán after 16 years. Al Jazeera.
- Arendt, H. (1958). The Human Condition. University of Chicago Press.
- Bofinger, P., Horn, G. et al. (2009). Appell von über 100 Ökonomen gegen die Einführung der Schuldenbremse.
- Bookchin, M. (1971). Post-Scarcity Anarchism. Ramparts Press.
- Bourdieu, P. (2002). Ein soziologischer Selbstversuch. Suhrkamp.
- Brown, W. (2015). Undoing the Demos: Neoliberalism's Stealth Revolution. Zone Books.
- Bundesregierung. (2025). 7. Armuts- und Reichtumsbericht. Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
- Butterwegge, C. (2026). Gespräch mit M. Göpel. Neudenken Podcast (Mission wertvoll).
- Deutscher Bundestag. (2022, 3. Juni). Beschluss Sondervermögen Bundeswehr. Grundgesetzänderung Art. 87a. 593 Ja, 80 Nein.
- Eurostat. (2025). Purchasing power parities and GDP per capita — preliminary estimate. Actual Individual Consumption (AIC) per capita 2025.
- Fisher, M. (2009). Capitalist Realism: Is There No Alternative? Zero Books.
- Forschungsgruppe Wahlen / ZDF. (2025). Wahlanalyse Bundestagswahl 2025.
- Fraser, N. (1995). From Redistribution to Recognition? Dilemmas of Justice in a 'Post-Socialist' Age. New Left Review, I/212, 68–93.
- Fromm, E. (1941). Escape from Freedom. Farrar & Rinehart. [Dt.: Die Furcht vor der Freiheit.]
- Government of Ireland. (2025). Basic Income for the Arts Pilot Scheme: Evaluation. Department of Tourism, Culture, Arts, Gaeltacht, Sport and Media.
- Hickel, J. (2020). Less is More: How Degrowth Will Save the World. William Heinemann.
- Höfgen, M. (2020). Mythos Geldknappheit: Modern Monetary Theory oder warum es am Geld nicht scheitern muss. Schäffer-Poeschel.
- Irish Times. (2026, 13. April). Orbanomics failure costs Hungary's strongman his grip on power. Irish Times.
- KfW Research. (2025). KfW-Kommunalpanel 2025. Investitionsrückstand der Kommunen: 215,7 Mrd. Euro.
- Lakoff, G. (2004). Don't Think of an Elephant! Know Your Values and Frame the Debate. Chelsea Green.
- Mattei, C. E. (2022). The Capital Order: How Economists Invented Austerity and Paved the Way to Fascism. University of Chicago Press.
- Mattei, C. E. (2026). Escape from Capitalism: An Intervention. Simon & Schuster.
- Mitscherlich, A. (1963). Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft: Ideen zur Sozialpsychologie. Piper.
- Paritätischer Gesamtverband. (2025). Verschärfung der Armut. Paritätischer Armutsbericht 2025.
- Sennett, R. & Cobb, J. (1972). The Hidden Injuries of Class. Alfred A. Knopf.
- Sozialpolitik-aktuell. (2025). Erwerbstätige nach der Stellung im Beruf 1960–2024.
- Statistisches Bundesamt. (2026a, 18. Februar). Pressemitteilung Nr. 053: Erwerbstätigkeit im 4. Quartal 2025.
- Statistisches Bundesamt. (2026b, 3. Februar). Armutsgefährdung 2025 bei 16,1 Prozent.
- Van Vogt, A. E. (1951). The Weapon Shops of Isher. Greenberg.