Brief #7 Game Changer Technology

Claude 4.6 — und was das für Führung bedeutet

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Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Woche ist etwas Faszinierendes passiert.

Ich habe den Essay „Connecting the Dots" geschrieben, und er wurde besser aufgenommen als alles, was ich bisher veröffentlicht habe. Etliche DMs, weiterverbreitet weit über mein Netzwerk hinaus. Das hat mich gefreut — und überrascht.

Doch der Artikel war geschrieben, und ich durfte als Key Influencer einen Workshop zu „Gamechanger Technology" bei den 21days von Cassini begleiten.

12 CxOs, einen Tag lang. Wir sprachen über Führung, über KI, über unsere Annahmen und unsere Erfahrungen. Wir hatten viele Erkenntnisse — unter anderem, dass sich unser Kommunikationsverhalten ändern wird, weil KI uns beibringt, netter miteinander zu sprechen.

Aber keiner von uns wäre auf die Idee gekommen, was nur 24 Stunden später passierte.

Die Welt dreht sich derartig schnell weiter - kaum nimmt man sich Zeit um einen gesellschaftkritischen Artikel zu schreiben und mit Menschen über Technologie zu sprechen, passiert das:

Nate — ein YouTuber, den ich für seine technisch fundierte KI-Analyse schätze — veröffentlichte ein Video, das alles auf den Kopf stellte:

KI hat selbstständig Hierarchie erfunden, um Entwickler und KI-Agenten auszusteuern.

16 parallele KI-Instanzen haben autonom einen vollständigen C-Compiler geschrieben. In zwei Wochen. Für 20.000 Dollar. Ohne menschlichen Code.

Und sie haben sich dafür selbst organisiert — mit Lead-Agenten, Spezialisten, direkter Koordination. Ohne Standups. Ohne Sprint-Planning.

Nates provokanteste These — und eine, über die ich seitdem nachdenke:

KI hat Management nicht von Menschen gelernt. Sie hat es unabhängig entdeckt.

Ich empfehle sein Video wärmstens. Und weil einiges davon unglaublich klingt, habe ich mir die Mühe gemacht, alle 37 Behauptungen gegen Primärquellen zu prüfen. Das Ergebnis: 33 vollständig verifiziert. 3 teilweise wahr. Keine falsch.

→ Den vollständigen Fact-Check lesen (hier findet ihr auch den Link zum Video)

Die Frage, die mich seit der Heimfahrt im Zug nicht loslässt:

Wie viel unserer Führungszeit fließt noch in Koordination, die eine KI bereits besser kann als wir?

Die Entwickler, die von KI ausgesteuert wurden, brauchten offenbar keinen Teamleiter mehr.

Und was machen wir mit der Zeit, die frei wird?

Bis nächste Woche, Boris

P.S.: Wer den Essay „Connecting the Dots" verpasst hat — hier nachlesen.


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