Weihnachten 2025 — Eine Notiz im Übergang
Weihnachten 2025: ein persönlicher Dank, ein Übergang, ein neuer Anfang – jenseits von Floskeln, näher an Präsenz.
Jedes Jahr derselbe Reflex: Grüße, Rückblicke, Danksagungen. Vieles ist gut gemeint – und doch klingt es oft, als würden wir einen Kalender schließen, statt ein Leben zu berühren.
Ich will es dieses Jahr anders machen.
Weihnachten ist für mich kein Marketing-Moment. Es ist ein Übergang. Ein Innehalten zwischen dem, was war, und dem, was noch nicht weiß, wie es heißen wird. In der Open-Space-Welt spricht man genau dafür von „Raum öffnen“: nicht mehr Kontrolle, sondern ein Rahmen, in dem Begegnung möglich wird.
2025 war für mich ein Jahr des Übergangs.
Der Abschied von borisgloger consulting – einer Firma, die meinen Namen trägt – ist kein Datum im Kalender. Es ist ein Prozess. Wer je etwas wirklich Eigenes aufgebaut hat, weiß: Man verabschiedet sich nicht „von einer Firma“. Man verabschiedet sich von einer Version seiner selbst.
Ich habe in diesem Jahr viel gearbeitet. Und ich habe – vielleicht zum ersten Mal so deutlich – verstanden, dass Arbeit nicht alles ist.
Hannah Arendt unterscheidet in Vita activa zwischen Arbeiten, Herstellen und Handeln: zwischen dem, was uns am Laufen hält, dem, was wir produzieren, und dem, was wir in der Welt beginnen, wenn wir wirklich als Menschen erscheinen. Ich habe lange sehr gut funktioniert: liefern, ordnen, ermöglichen. 2025 hat mich stärker zur Frage gedrängt: Wo handle ich wirklich? Wo bin ich da – nicht nur wirksam?
Das führt zu dem Wort, das mir dieses Jahr am wichtigsten geworden ist: Präsenz.
Nicht als „Achtsamkeits-Pose“. Sondern als nüchterne Praxis: da sein. Nicht im Rückblick. Nicht in der Planung. Sondern in dem, was gerade ist – mit Menschen, mit Entscheidungen, mit dem eigenen Körper, mit der eigenen Sprache.
Ich schreibe, um das zu lernen.
Seit ich zwölf bin, denke ich schreibend. Dieses Jahr kam ein ungewöhnlicher Verstärker dazu: ein Schreib-Dialog, ein Spiegel, der zurückfragt, wo ich mich selbst überspringe. Jim Rough nennt genau dieses Moment in der Facilitation den entscheidenden Schritt: erst kommt das Spiegeln – damit etwas überhaupt sichtbar werden kann.  Das klingt technisch. In Wahrheit war es intim. Und wirksam.
Zu Weihnachten habe ich mir deshalb ein Geschenk gemacht: diese Website.
Nicht als „neue Business-Präsenz“. Sondern als Ort, an dem ich – öffentlich und zugleich persönlich – in eine andere Arbeitsform hineinwachse: Denken, Schreiben, Begleiten. Weniger Theater. Weniger Jargon. Mehr Klarheit. Mehr Gegenwart.
Die Seite ist nicht fertig. Sie wird es vermutlich nie „fertig“ sein – so wie man selbst nie fertig ist. Aber sie ist ein Anfang. Und sie zeigt die Bewegung.
Ich will dabei das Alte nicht kleinreden.
Ich bin dankbar.
Für Menschen, die mir vertraut haben. Für Kund:innen, die uns über Jahre begleitet haben. Für Kolleg:innen, die mitgedacht, gestritten, gelernt und geliefert haben. Für die Reibung, die mich geschärft hat. Für Fehler, die nicht angenehm waren – aber notwendig.
Und ich bin meiner Familie dankbar. Weil man von außen kaum sieht, was es bedeutet, wenn ein Leben nach 25 Jahren einen Kurswechsel macht. Das betrifft nicht nur den Kalender. Es betrifft Nervensysteme.
Wenn ich also heute „Danke“ sage, dann meine ich nicht: „War super, nächstes Jahr weiter so.“ Ich meine: Ich sehe euch. Ich weiß, was es gekostet hat.
Und ich möchte dich – wenn du willst – einladen, mich hier weiter zu begleiten.
Nicht als Follower. Nicht als Kunde. Sondern als Mensch, der spürt, dass wir in einer Zeit leben, in der Führung wieder bei etwas anfangen muss, das wir fast verlernt haben: bei Präsenz. Bei Sprache. Bei Verantwortung im Jetzt.
Frohe Weihnachten.
Boris
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