Diese Woche ist eine neue Folge des agilophil Podcasts erschienen: Folge 196 — Scrum 3.0 für die neue Ära. Frank Hampe und ich sprechen darüber, was nach 25 Jahren Scrum wirklich übrig bleibt.
Anlass war die sechste Auflage von „Scrum für die neue Ära" — vollständig neu geschrieben. Frank wollte wissen: warum? Weil niemand mehr ein Buch braucht, das Rollen, Events und Artefakte erklärt. Das erledigt heute jede KI in Sekunden. Die Frage, die bleibt, ist unbequemer: Warum funktioniert Scrum in vielen Unternehmen trotzdem nicht, obwohl alle wissen, wie es geht?
Wir reden über die Dysfunktionalitäten, die ich seit zwanzig Jahren in Organisationen sehe: fehlende Priorisierung, übergroße Backlogs, Frontloading, Multitasking, Silos, Meetings ohne Ende. Und über meine These, dass wir diese Probleme mit agilen Methoden nicht gelöst, sondern nur elegant umbaut haben. Workarounds statt Ursachenarbeit.
Besonders ausführlich wird es bei der Priorisierung. Die Techniken kennt jedes Team. Woran es scheitert, ist die Bereitschaft, Verantwortung für ein Nein zu übernehmen. „Alles ist wichtig" ist kein Methodenproblem — es ist ein Führungsproblem.
Damit sind wir beim Kern des Gesprächs: Scrum war immer ein Führungsmodell. Führen heißt nicht, Menschen zu steuern, sondern Kommunikation zu gestalten. Orientierung geben, Ziele formulieren, Rahmenbedingungen schaffen, in denen Teams eigenverantwortlich arbeiten können.
Und dann Scrum 3.0: Was passiert mit den Rollen, wenn KI die operative Arbeit übernimmt? Der Product Owner wird zum Gestalter von Vision und Leitplanken. Teams arbeiten direkt mit ihren Nutzern, dort, wo Kundennutzen entsteht. Backlogs werden kleiner, Feedbackzyklen kürzer, Entscheidungen schneller. Und der Scrum Master moderiert keine Meetings mehr, sondern räumt organisatorische Hindernisse aus dem Weg — im ganzen Unternehmen, nicht nur im Team.
→ Zur Podcast-Folge bei agilophil
Wer tiefer einsteigen will: Die Dysfunktionalitäten aus dem Gespräch habe ich in der sechsteiligen Serie „Zwanzig Jahre dieselbe Dysfunktion" ausführlich seziert — sie beginnt mit „Die Droge". Alle weiteren Essays zum Buch und zur neuen Ära von Scrum sammeln sich unter Scrum. Neue Ära.
Danke an Frank Hampe für das Gespräch und die klugen Fragen.