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# Der Übergang, der hält
- URL: https://borisgloger.at/der-uebergang-der-haelt/
- Published: 2026-10-02T07:30:00.000Z
- Updated: 2026-10-02T07:29:59.000Z
- Description: In vierzehn Tagen fand der Bundestag fünfhundert Milliarden. Sechzehn Monate später strich die Regierung die Einspeisevergütung, weil sie sich bewährt hatte. Der Schluss der Reihe: Warum Argumente nicht reichen, wo die Ordnung der Knappheit dünn ist, und was eine Wahlnacht mit unserem Wissen macht.
- Author: Boris Gloger
- Tags: Connecting the Dots, Bibliothek

*Reihe: Fülle als Struktur des Handelns · Essay 8 von 8, der Schluss.*

## Zwei Wochen

Am 18\. März 2025 änderte der Deutsche Bundestag das Grundgesetz. 512 Abgeordnete stimmten dafür, 206 dagegen, niemand enthielt sich.

Seit diesem Tag zählen Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent der Wirtschaftsleistung nicht mehr zur Schuldenbremse. Dazu kam ein Sondervermögen: fünfhundert Milliarden Euro für Infrastruktur, hundert davon für den Klimaschutz. Zwischen dem Tag, an dem Union und SPD das Paket vorstellten, dem 4\. März, und dem Beschluss lagen vierzehn Tage. Abgestimmt hat der alte Bundestag, der abgewählte, eine Woche bevor der neue zusammentrat. Im neuen wäre die Mehrheit nicht mehr sicher gewesen. Am 21\. März stimmte der Bundesrat zu (DE, Bundestag, Textarchiv).

Ich erzähle es, weil es eine Frage beantwortet, die diese Reihe seit dem ersten Essay stellt. Nur beantwortet es sie in einer Richtung, in der niemand sie gestellt hat.

**Kann eine Demokratie umlenken, ohne den Notstand auszurufen?**

Sie kann, in vierzehn Tagen, mit Zweidrittelmehrheit, im Normalbetrieb ihrer Verfassung, ohne ein einziges Grundrecht anzutasten. Sechzehn Jahre lang hieß es, die Schuldenbremse sei ein Naturgesetz. Schulen, Bäder und Netze müssten daran zerbrechen, weil wir uns das nicht leisten könnten. Dann fanden die Regierenden einen Anlass, den sie für ausreichend hielten. *Aus dem Naturgesetz wurde eine Verfassungsänderung.*

Die Frage lautet also nicht mehr, *ob*. Sie lautet: in welche Richtung, *für wen*, und warum in diese Richtung so schnell und in die andere nie.

Sechzehn Monate später, am 29\. Juli 2026, beschloss das Kabinett der Regierung, die aus diesen Sondierungen hervorgegangen war, die feste Einspeisevergütung für neue kleine Solaranlagen abzuschaffen. Die Begründung: Sie hätten sich inzwischen bewährt (DE, Kabinettsbeschluss EEG-Novelle).

**Was sich bewährt, wird beendet. Was fehlt, bekommt in zwei Wochen eine Verfassungsänderung.** Man könnte das Inkonsequenz nennen. Ich halte es für etwas anderes: für die Ordnung, die sieben Essays dieser Reihe beschrieben haben, bei der Arbeit.

Man kann das auch nachrechnen, und Tom Krebs hat es getan. Der Mannheimer Ökonom hat in diesem September ein Buch über die Krise vorgelegt, das von der anderen Seite kommt: von den Makrodaten, nicht von den Institutionen. Von dem einen Prozent Wachstum, das die Prognosen für 2026 erwarteten, trägt nach seiner Rechnung nur ein Drittel die Rüstung: fünfzehn Milliarden Euro. Die Neuverschuldung des Bundes steigt im selben Jahr um rund hundert Milliarden. **Hundert Milliarden Schulden für fünfzehn Milliarden Wachstum**; der Rest verpufft oder *landet als Dividende bei den Aktionär:innen* der Rüstungskonzerne.   
  
Und vom Sondervermögen für Infrastruktur, so seine Prognose, wird ein erheblicher Teil über öffentlich-private Partnerschaften **bei Beteiligungsfirmen landen, während die Netze, für die es gedacht ist, ihren Eigentümern schon heute zweistellige Renditen auf einem Monopol ohne Risiko bringen** (DE, Krebs 2026).

Die Kritik ist nicht neu. Der **Deutsche Gewerkschaftsbund hat sie im Oktober 1949** auf seinem Gründungskongress in München einstimmig beschlossen, mit Blick auf die Kriegswirtschaft, die er hinter sich hatte: Die Bevorzugung der „unproduktiven Rüstungspolitik" nach dem Motto „Kanonen statt Butter" habe die Erzeugung der wichtigsten Konsumgüter verhindert. Im selben Text steht, was der Gegenentwurf wäre: eine Planung, die den Mangel behebt, „damit nicht private Selbstsucht über die Notwendigkeiten der Gesamtwirtschaft triumphiert". Fünfundsiebzig Jahre später ändert ein Bundestag das Grundgesetz für die Rüstung.

## Die Frage der Reihe

Ich habe diese Reihe mit einem Dach begonnen. Und mit einer Beobachtung: Der Preis misst nicht, was etwas wert ist. Er misst, was fehlt ([Die Sonne, die nichts wert ist](https://borisgloger.at/die-sonne-die-nichts-wert-ist/)).

Dann bin ich durch die Institutionen gegangen, in denen wir leben: [den Staat](https://borisgloger.at/der-staat-der-anfaengt/), [die Kommune](https://borisgloger.at/die-kommune-die-handelt/), [die Familie](https://borisgloger.at/die-familie-die-nicht-traegt/), [die Schule](https://borisgloger.at/die-schule-die-nicht-sortiert/), [den Verein](https://borisgloger.at/der-verein/), [die Arbeit](https://borisgloger.at/die-arbeit-die-nicht-reicht/). Jeder Essay endete mit derselben Frage, nur um eine Institution verschoben:   
  
**Wenn wir die Knappheit an dieser Stelle selbst herstellen, wie hören wir damit auf, ohne dass jemand den Ausnahmezustand erklärt?**   
  
**Und wenn wir aufhören, wie bleiben wir dabei?** 

Umlenken braucht eine Gelegenheit, und der 18\. März zeigt, dass Gelegenheiten kommen. Durchhalten braucht eine Ordnung, die nach der Gelegenheit noch da ist. Der Bundestag hat 2025 umgelenkt. Ob das hält, sieht man in fünf Jahren: wenn jemand die Brücke, die Schule, das Netz benutzt, das aus dem Sondervermögen entstand. Und wenn er weiß, woher es kam.

Seit dem Frühjahr ist das keine akademische Frage mehr. Seit dem 28\. Februar 2026 ist die Straße von Hormus gesperrt. Deshalb steht der Diesel auf einem Rekordhoch, während der Klimawandel uns Sommer beschert, die unsere Wasserkraftwerke austrocknen und die atomaren Meiler in unseren Nachbarländern nicht mehr kühlen lassen. 

Richard Murphy hat im Mai vorhergesagt, wie Demokratien reagieren, wenn sie jetzt nicht eingreifen. Erst sagen sie, man solle die Märkte laufen lassen. Dann preisen die Märkte Menschen aus dem Essentiellen heraus. Dann kommt Unordnung. Auf die Unordnung antwortet ein Staat, der die Vollmachten dazu hat, drakonisch.

### Rationieren, deckeln oder zahlen lassen

Murphy hat auch gesagt, was stattdessen zu tun wäre, und es ist das Wort, das keine Regierung in den Mund nehmen will: rationieren. Wenn ein Gut, das alle zum Leben brauchen, knapp wird, verteilt der Preis es nach Kaufkraft, und die, die am wenigsten haben, gehen leer aus. Eine Zuteilung verteilt nach Bedarf: eine Grundmenge Kraftstoff, Strom und Wärme für alle zu einem bezahlbaren Preis, alles darüber zum Marktpreis, und der Aufschlag auf das Darüber bezahlt die Grundmenge. Die Briten haben so bis 1954 gelebt, neun Jahre nach Kriegsende. China hat es anders gemacht, und größer. Es hat im März, eine Woche nach der Sperrung, seinen Raffinerien den Export untersagt, seine Vorräte angezapft, die größten der Welt, und seine Einfuhren um rund fünf Millionen Barrel am Tag gedrosselt, ein Zwanzigstel des Weltverbrauchs. Adam Tooze schätzt, dass der Ölpreis dadurch zwanzig bis dreißig Dollar je Barrel niedriger liegt, als er sonst läge, für alle, auch für uns. Das war Planung, kein Markt, und niemand hat es angekündigt. Slowenien hat im selben Monat fünfzig Liter am Tag pro Auto festgelegt.

Deutschland hat im April den Tankrabatt beschlossen, siebzehn Cent für zwei Monate, und eine Entlastungsprämie, die im Bundesrat scheiterte. Das ist die dritte Variante, die weder Markt noch Zuteilung ist: Der Staat zahlt, damit der Preis ein wenig sinkt, und der Preis bleibt trotzdem der Mechanismus, der verteilt. Wer sich den Diesel nicht leisten kann, kann ihn sich mit siebzehn Cent weniger auch nicht leisten. Wer ihn sich leisten kann, tankt weiter. Und die Konzerne, deren Margen in der Knappheit steigen, behalten sie. **Wir reden über Deckel und Rabatte, weil das Wort Rationierung nach Krieg klingt.** Aber was wir stattdessen tun, ist ebenfalls eine Zuteilung, nur eine nach Geld. **Wir lassen Menschen ausbluten, damit die Gewinne nicht sinken müssen.** Murphy nennt den Unterschied nüchtern: Eine Intervention, die man vorher entwirft, ist besser als eine, die der Notstand erzwingt.

Tooze sagt auch, warum Europa sich das leisten kann, so zu tun, als wäre der Preis das Problem: Öl fließt dorthin, wo es bezahlt wird. 2022 ist Deutschland mit dem Scheckbuch durch die Welt gegangen und hat sein Gas bekommen; Pakistan, Bangladesch und halb Afrika haben es nicht bekommen. Wer in Europa den Diesel nicht mehr zahlen kann, hat deshalb kein Ölproblem. Er hat ein Armutsproblem, das der Preis sichtbar macht. Das ist der Satz, mit dem der erste Essay dieser Reihe begann, aus dem Mund eines Wirtschaftshistorikers: **Der Preis misst nicht, was etwas wert ist. Er misst, wer es sich leisten kann.**

Umlenken ohne Notstand heißt seit diesem Sommer also nicht mehr, auf ruhige Zeiten zu warten. Es heißt, **in der Krise demokratisch zu handeln, bevor die Krise die Demokratie zum Handeln zwingt**.

## Was die sieben Essays zeigen

Legt man die sieben Essays übereinander, sieht man vier Dinge, die keiner allein zeigen konnte.

### 1\. Die Knappheit sitzt nie im Gut, sie sitzt im Zugang

- **Sonne** haben wir genug; mittags fehlen Netz und Speicher.
- **Geld** haben wir genug, der Staat fand es in vierzehn Tagen; es fehlt die Entscheidung, es auszugeben, bevor es eine Regierung ausgibt, die man fürchtet.
- **Turnhallen** stehen in jedem Ort; knapp wurden die Hallenzeiten, seit die Kommunen sie einzeln bepreisen.
- **Begabung** sitzt in jeder Klasse; knapp ist, was wohlhabende Familien privat dazukaufen.
- **Arbeit**, die getan werden müsste, liegt überall herum; knapp ist die Form, in der die, die sie tun, über den Ertrag mitbestimmen.

**Sieben Institutionen, und in jeder war das Gut da, und der Zugang war zu.**

### 2\. Drei Regler verknappen den Zugang

1. Der **Preis** macht aus einem gemeinsamen Beitrag eine Rechnung pro Möglichkeit, im Verein wie am Netzanschluss.
2. Das **Eigentum** bestimmt, wem der Ertrag zufließt: das Landesbudget, das an der EVN-Dividende hängt, die Dächer, die leer bleiben, weil sie dem Vermieter gehören und nicht denen, die darunter wohnen.
3. Und die **Förderlogik** stellt bereit, solange die Politik es will, und nimmt zurück, sobald sich etwas bewährt. Die feste Vergütung für den Strom vom Dach füllte über zwei Jahrzehnte die Dächer; jetzt fällt sie für alle, die neu anfangen. Den Zuschuss für den Verein entzieht eine Unterschrift.

Wer diese drei Regler kennt, braucht keinen Bösewicht mehr. Die Ordnung stellt sich in tausend gewöhnlichen Entscheidungen selbst wieder her. Niemand muss sich dafür verabreden.

### 3\. An jeder Stelle läuft schon ein Gegenbeispiel

Wien vermietet 220.000 Gemeindewohnungen an eine halbe Million Menschen, seit hundert Jahren, unter allen Regierungen (AT, Wiener Wohnen). Auf einem Dach in Moosbrunn kühlt die Sonne das Haus und lädt das Auto, und niemand fragt, was es kostet. Der Turnerbund in Wiesbaden bot für siebzehn Mark im Jahr alles, was ein Kind ausprobieren wollte, und der Grundbeitrag ist bis heute nicht davongelaufen. Es gibt Schulen, die ganztags bereitstellen, was andere Kinder zu Hause bekommen. Es gibt Betriebe, die den Menschen gehören, die in ihnen arbeiten.

**Nichts davon ist Traum. Alles davon ist in Betrieb.**

### 4\. Zuerst kommt die Erfahrung, dann die Verteidigung

Das vierte ist der Punkt, auf dem dieser ganze Essay steht, deshalb sage ich ihn so einfach, wie ich kann: **Keines dieser Gegenbeispiele ist entstanden, weil jemand die Debatte gewonnen hätte. Sie sind entstanden, weil jemand etwas gebaut hat, das Menschen benutzen konnten. Und sie stehen noch, weil diese Menschen es nicht mehr hergeben wollen.**

Wien hat nicht zuerst das Land überzeugt, dass Gemeindebau richtig ist. Wien hat gebaut, und dann wohnten Menschen darin. Die Dächer füllten sich, als die Steuer auf null fiel, die Mehrwertsteuer, nicht die Vergütung, und sich die Anlage rechnete, und dann stand sie da; ein gutes Argument für die Energiewende hätte kein einziges Dach gefüllt. In den Verein ist kein Kind gegangen, weil ihm jemand den Wert des Vereinswesens erklärt hätte. Es ging hin, und dann gehörte es dazu.

Die Reihenfolge ist in allen drei Fällen dieselbe. Zuerst machen Menschen eine Erfahrung: Sie wohnen dort, sie nutzen den Strom, sie gehören dazu. Diese Erfahrung wird ihnen wichtig, und wenn jemand sie ihnen nehmen will, wehren sie sich. Das Wehren ist der Grund, warum der Gemeindebau, die Anlage und der Verein noch da sind. Die Argumente, mit denen man sie einmal begründet hat, sind längst aus der Mode; die Verteidigung derer, die darin leben, ist es nicht.

Das ist die Antwort auf die zweite, die schwerere Frage, wie eine Demokratie das Umlenken durchhält: **Sie hält es durch, wenn genug Menschen die Erfahrung gemacht haben, bevor jemand sie zurücknehmen will.** Ich komme darauf zurück. Vorher steht eine Erzählung im Weg.

## Der Aufstieg, der knapp macht

Die Erzählung heißt Aufstieg. Wer sich anstrengt, kommt nach oben. Wer nicht oben ist, hat sich nicht genug angestrengt.

Ich habe in einem der ersten Essay meiner Website, in [Connecting the Dots](https://borisgloger.at/connection-the-dots-warum-der-erfolg-kein-charakter-ist/), auf vielen Seiten gezeigt, warum das ein Märchen ist. Die Postleitzahl entscheidet mehr als die Begabung. **Fast achtzig Prozent der Vorstandsvorsitzenden der hundert größten deutschen Unternehmen stammen aus den oberen drei bis fünf Prozent der Gesellschaft, seit 1970 unverändert.** Die Meritokratie, einmal ein Werkzeug, um Türen zu öffnen, gibt heute Vermögen über Generationen weiter. Das muss ich hier nicht wiederholen. Aber hier ein hoffentlich augenöffnender Nachtrag, der die gegenwärtige Erzählung "Schuld seien die Familien selbst" (Sept. 2026) der deutschen Bundesregierung Lügen straft:

### PISA 2025: Es ist die Herkunft, nicht das Kind

Der nationale Berichtsband zu PISA 2025 erschien in diesem September, in derselben Woche wie das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt, und fast ohne Echo - und der Befund ist erschreckend: 

1. Deutsche Fünfzehnjährige erreichen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000\.
2. Ein Viertel bis ein Drittel erreicht keine ausreichenden Basiskompetenzen.
3. Und die Spreizung nach Herkunft ist in Deutschland besonders groß: Zwischen dem obersten und dem untersten Herkunftsviertel liegen in den Naturwissenschaften 125 Punkte, im OECD-Durchschnitt sind es 85\. Im untersten Viertel verfehlen 41 Prozent die Grundkompetenz, 2 Prozent erreichen die Spitze. Im obersten Viertel sind es 8 und 25 Prozent.
4. Der Abstand zwischen Gymnasien und allen anderen Schularten ist seit 2015 in jedem der drei Fächer gewachsen, in den Naturwissenschaften von 109 auf 128 Punkte.
5. Und rechnet man Herkunft, Familiensprache und Geschlecht gemeinsam heraus, bleibt vom Rückstand der zweiten Einwanderergeneration ein Rest von 18 Punkten (DE, PISA 2025, nationaler Berichtsband).

**Es ist die Herkunft, nicht das Kind. Und es ist die Sortierung mit zehn, die aus der Herkunft ein Schicksal macht.**

Der Bundeskanzler antwortete auf den Bericht, man könne Bildung und Erziehung nicht an den Staat outsourcen, auch die Familien hätten Verantwortung. Der Bericht sagt das Gegenteil, und er sagt es ausdrücklich: PISA erlaubt Aussagen über Bildungssysteme, nicht über einzelne Schulen, Klassen oder Kinder, und schon gar nicht über Eltern. Die Eltern, die es können, tun längst alles. Sie führen den Konkurrenzkampf ab der ersten Klasse. Bei ihnen ist das Aufstiegsversprechen angekommen, und es macht ihre Kinder nicht klüger, nur ängstlicher. **Die anderen bräuchten eine Schule, die ausgleicht. Sie bekommen eine, die sortiert.**

### Aufstieg ist ein Gut, das nur aus Fehlen besteht

Was ich damals nicht sagen konnte, weil mir das erste Essay dieser Reihe noch fehlte: Man kann das Märchen nicht reparieren. Der Aufzug klemmt nicht. Das Problem ist, was ein Aufstieg ist.

Fred Hirsch fand 1976 dafür ein Wort: positionale Güter. Ein positionales Gut ist wertvoll, weil andere es nicht haben. Ein Haus am See ist nur ein Haus am See, solange nicht alle am See wohnen. Ein Platz oben ist nur oben, solange die meisten unten sind. Man kann solche Güter nicht vermehren, indem man mehr davon herstellt. Jede Vermehrung entwertet sie. Sie sind knapp, weil sie knapp sein müssen.

Jetzt legt man das neben den ersten Essay. Der Preis misst, was fehlt. Der Aufstieg ist ein Gut, das nur aus Fehlen besteht. **Wer also mehr Aufstieg verspricht, verspricht mehr Knappheit.** Er richtet das Begehren von Millionen auf einige tausend Plätze, die knapp bleiben müssen, damit sie etwas wert sind.

**Die Meritokratie ist das Preissystem für Menschen.** Sie macht mit Lebensläufen, was der Markt mit der Sonne macht. Was alle haben könnten, gilt nichts. Was wenige haben, kostet alles.

Ich habe selbst noch in der schwächeren Lesart geschrieben, in [Der Staat macht arm](https://borisgloger.at/neue-grundsicherung/): Die Aufgestiegenen verschärfen die Bedingungen für die, die es nicht geschafft haben. Das stimmt, aber es ist zu freundlich. Es steigen nicht zu wenige auf. **Eine Gesellschaft, die Aufstieg zum Maß macht, trägt die Knappheit in jedes einzelne Leben, egal wie viele es nach oben schaffen.**

### Die Aussteiger

Man kann das an denen ablesen, die aussteigen. Es sind inzwischen viele, und sie zeigen ihren Ausstieg auf TikTok und YouTube: die Kündigung nach dem dritten Burnout, das Leben mit halber Stelle, der Umzug aufs Land. In China hat das eine ganze Generation getan und ihm einen Namen gegeben, tang ping, flach liegen. Sie haben gesehen, dass das Märchen, dem sie nachlaufen sollten, sie krank macht, bevor es sie irgendwohin bringt. Die Zahlen geben ihnen recht. Psychische Erkrankungen sind in Deutschland die dritthäufigste Ursache für Krankschreibungen, 17 Prozent aller Fehltage, und am höchsten liegen die Werte ausgerechnet in den Berufen, die für andere bereitstellen, in Kitas und in der Altenpflege (DE, DAK-Psychreport 2025).

Und wie nennt die Mehrheit die, die aussteigen? Spinner. Leute, die es nicht geschafft haben und jetzt so tun, als hätten sie es nicht gewollt. Das ist die Ordnung des Aufstiegs bei der Verteidigung ihrer selbst: Wer das Rennen verlässt, muss als gescheitert gelten, sonst würde das Rennen seinen Sinn verlieren.

Die Frage dieser Reihe war deshalb nie, wie mehr Menschen es nach oben schaffen. Sie war, **wie eine Ordnung aussieht, in der die Frage nach oben und unten nicht mehr die erste ist**.

Und wenn das alles stimmt? Wenn wir die Knappheit selbst herstellen, wenn die Gegenbeispiele laufen, wenn der Staat das Geld in vierzehn Tagen findet: Warum ändert sich dann nichts?

## Warum Argumente nicht reichen

Die bequeme Antwort lautet: weil die Menschen es nicht wissen. **Mit dieser Antwort verliert die Linke seit vierzig Jahren, und sie ist falsch.**

**Die Menschen wissen es**. Clara Mattei hat für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gezeigt, dass die Arbeiter:innen sehr genau wussten, dass Knappheit gemacht wird. Die Austerität musste ihnen dieses Wissen erst austreiben. Jede Pflegekraft weiß, dass ihr Lohn nicht misst, was sie wert ist. Jeder Vereinsvorstand weiß, dass die Halle nicht zu teuer ist, sondern zu oft abgesperrt.

### Erster Mechanismus: gemeinsames Wissen

Was fehlt, ist eine andere Art von Wissen. **Das Wissen, dass alle anderen es auch wissen. Und dass alle wissen, dass alle es wissen.**

Das klingt nach einem Spiel, und es ist eines. Ein Pool, an dem alle Handtücher auf den Liegen liegen. Die Liegen reichen genau für alle. Trotzdem nimmt niemand sein Handtuch weg, denn solange die anderen ihre liegen lassen, ist jede freie Liege sofort besetzt. Heinrich Popitz hat 1968 ein ähnliches Bild gebraucht, Liegestühle auf einem Schiff, nur dass bei ihm die Stühle knapp waren. Hier reichen sie. Diese Ordnung ist stabil. Eine Ordnung ohne Handtücher wäre genauso stabil. 

Zwischen beiden liegt kein Erkenntnisproblem. **Zwischen beiden liegt ein Koordinationsproblem**: **Man müsste gleichzeitig handeln, und dafür müsste man sicher sein, dass die anderen es auch tun.**

Genau diese Sicherheit zerstört die Erzählung von der Knappheit, jeden Tag neu. Sie muss niemanden überzeugen. Es reicht, dass jeder vermutet, die anderen glaubten sie.

Timur Kuran nennt das **Präferenzverfälschung**. Menschen sagen öffentlich, was sie für die Meinung der anderen halten, und richten sich danach. Bis ein Signal zeigt, dass die anderen längst anders denken. Dann kippt es, als Kaskade. Und zwar in beide Richtungen, aber nicht gleich schnell. Ich komme darauf zurück. 

Deshalb reicht Aufklärung nicht. Und deshalb reicht dieser Essay nicht. Ein Text erzeugt privates Wissen. Er überzeugt eine Leserin, vielleicht tausend. Aber keine von ihnen weiß, ob die anderen ihn gelesen haben.

Gemeinsames Wissen entsteht anders. Es entsteht durch Dinge, die alle sehen und alle benutzen. Ein Gemeindebau, an dem man täglich vorbeigeht. Ein Bad, das offen ist. Ein Dach, das die Nachbarn leuchten sehen. **Eine Institution ist ein Argument, das man nicht lesen muss, weil man in ihm wohnt.** Sie stellt her, was kein Essay herstellen kann: die Gewissheit, dass die anderen es auch sehen.

### Zweiter Mechanismus: Wer investiert hat, verteidigt

Popitz beschreibt in demselben Buch auch den zweiten Mechanismus, und er wirkt in beide Richtungen. **Eine Ordnung hält, wenn Menschen in sie investiert haben und ihr Verlust sie etwas kosten würde.**

Das gilt für die Knappheit. Das Land Niederösterreich hält an der EVN-Dividende fest, weil sein Haushalt daran hängt. Wer eine Wohnung als Anlage gekauft hat, verteidigt die Wohnungsnot, ohne sie zu wollen.

Es gilt aber genauso für die Fülle. Wer zwanzig Jahre im Gemeindebau gewohnt hat, lässt ihn nicht privatisieren. Wer eine Anlage auf dem Dach hat, nimmt sie nicht ab, wenn die Vergütung fällt. Die deutschen Dächer, die sich 2023 und 2024 füllten, bleiben voll; das Kabinett hat nur den Nachzüglern die Vergütung gestrichen. Die Anlage bleibt, die Förderung nicht. Die Erfahrung ist gemacht. Man kann die Förderung beenden. Die Erfahrung rückgängig machen kann man nicht.

Die Politikwissenschaft hat diesen Mechanismus gut untersucht, und zwar dort, wo er am härtesten geprüft wurde: am Sozialstaat, den Thatcher und Reagan abbauen wollten. Paul Pierson hat 1994 untersucht, warum ihnen das kaum gelang. Die Antwort war nicht, dass die Gegenseite besser argumentiert hätte. Die Programme hatten ihre eigenen Verteidiger:innen hervorgebracht. Millionen bezogen Renten und Sozialleistungen, und sie hätten den Verlust sofort gespürt, die Ersparnis erst später. Wo Thatcher gewann, beim Wohnen, gewann sie, weil sie Mieter:innen zu Eigentümer:innen machte, also eine neue Erfahrung anbot statt eine zu nehmen. Andrea Campbell zeigte danach, dass die amerikanische Rentenversicherung aus den Alten, vorher eine der stillsten Wählergruppen, die aktivste machte. Institutionen erzeugen die Bürger:innen, die sie brauchen.

Die Forschung nennt das „policy feedback". Es ist der Satz dieses Essays in einer anderen Sprache: **Erfahrung erzeugt Verteidigung. Und Verteidigung ist das, was hält.**

### Dritter Mechanismus: Wer keine Angst hat, braucht keinen Rang

Es gibt noch einen dritten Grund, warum die Fülle sich hält, sobald Menschen sie einmal erlebt haben, und er hat mit der Frage zu tun, warum wir überhaupt nach oben wollen.

Warum wollen Menschen aufsteigen? Die übliche Antwort lautet: weil sie mehr wollen, mehr Geld, mehr Ansehen, mehr Einfluss. Ich glaube, das ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist Angst. Wer weiß, dass die Wohnung gekündigt werden kann, dass das Kind mit zehn aussortiert wird, dass die Pflege der Eltern am eigenen Konto hängt, der sorgt vor. Und Vorsorgen heißt in einer Ordnung der Knappheit: nach oben kommen, denn oben ist man sicher, unten nicht. **Der Rang ist in dieser Ordnung keine Eitelkeit. Er ist die einzige Versicherung, die es gibt.**

Wenn das stimmt, dann ändert sich etwas, sobald es andere Versicherungen gibt. Wer in einem Gemeindebau wohnt, aus dem ihn niemand hinauskündigt, muss nicht nach oben, um sicher zu wohnen. Wer weiß, dass seine Kinder auf jeder Schule das Gleiche lernen, muss nicht in den teuren Bezirk ziehen. Wer nicht fürchten muss, mit sechzig ohne Pflege dazustehen, kann mit vierzig eine Arbeit wählen, die ihm etwas bedeutet, statt einer, die ihn absichert. **Die Fülle nimmt nicht den Wunsch, gut zu leben. Sie nimmt den Zwang, dafür an anderen vorbeizukommen.**

Man kann das messen, und zwar an etwas ganz Kleinem. Für den World Happiness Report 2025 haben Forscher:innen in vielen Städten der Welt Geldbörsen verloren, absichtlich, mit Adresse darin, und gezählt, wie viele zurückkamen. Am häufigsten kamen sie in den Ländern zurück, in denen der Wohlfahrtsstaat am stärksten ist, in Skandinavien vor allem. Das ist kein Zufall. Wer nicht um seinen Platz fürchten muss, kann sich den Anstand leisten, und er kann sich den Nachbarn leisten, statt ihn als Konkurrenten zu sehen.

Das ist der dritte Mechanismus: Wer keine Angst hat, braucht keinen Rang. Die Fülle gewinnt keinen Streit über Gerechtigkeit. Sie verändert leise die Rechnung, die jeder Mensch für sich selbst aufmacht, und diese Rechnung entscheidet mehr Wahlen als jedes Argument.

## Umlenken: die dünnen Stellen

Wenn der Übergang ein Koordinationsproblem ist, dann beginnt er nicht im Parlament. Er beginnt dort, wo jemand handeln kann, ohne vorher alle anderen zu überzeugen. Und dort, wo die Ordnung der Knappheit dünn ist.

### New York: was ohne Erlaubnis geht

Der sichtbarste Fall ist gerade New York, weil man ihm zusehen kann. Zohran Mamdani ist seit dem 1\. Januar 2026 Bürgermeister. Die ersten neun Monate seiner Amtszeit sind eine Landkarte dieser dünnen Stellen.

Was er ohne Erlaubnis tun konnte, hat er getan. Am 25\. Juni beschloss die von ihm besetzte Mietkommission einen Mietenstopp für die rund eine Million Wohnungen, die der Regulierung unterliegen. Am 14\. April stellte er das erste städtische Lebensmittelgeschäft vor, La Marqueta in East Harlem, dreißig Millionen Dollar, fünf Läden bis 2029\. Im Juli verbot die Stadt als erste Stadt in den USA versteckte Gebühren. Im Februar holte sie 5,2 Millionen Dollar vorenthaltenen Lohn von Lieferplattformen zurück. Und im März startete, mit Geld des Bundesstaates, das Programm 2K: zweitausend kostenlose Betreuungsplätze für Zweijährige in diesem Jahr, zwölftausend im nächsten, 425 Millionen Dollar (US, nyc.gov; AP). Die universelle kostenlose Kinderbetreuung, die er versprochen hat, beginnt hier. Und dieser Anfang ist finanziert.

Was Erlaubnis braucht, wartet. Die kostenlosen Busse, sein sichtbarstes Versprechen, hat er im April auf das Ende seiner Amtszeit verschoben. Der Haushalt muss per Gesetz ausgeglichen sein, die Verkehrsbetriebe gehören dem Bundesstaat, und der Bundesstaat heißt Albany.

Beide Bewegungen zeigen dasselbe. **Wo eine Stadt über ihre Mieten, ihre Läden, ihre Gebühren selbst entscheidet, fällt die Ordnung der Knappheit. Wo sie es nicht kann, hält sie.** Die Gegenreaktion wird nicht den Mietenstopp angreifen, den zwei Millionen Menschen ab Oktober erfahren. Sie wird die Busse angreifen, die niemand je gefahren ist.

### Wien, Preston, Porto Alegre

Man muss nicht nach New York schauen. Wien begann um 1920 mit dem Gemeindebau, gegen eine Bundesregierung, die ihn nicht wollte, und finanzierte ihn ab 1923 mit einer Wohnbausteuer, die die Stadt selbst erheben durfte. Eine deutsche Kommune, die ihr Netz zurückkauft, nutzt das Konzessionsrecht, das ihr niemand nehmen kann. Eine Schule, die ganztags bereitstellt, braucht keine Verfassungsänderung. Ein Betrieb, der seinen Leuten gehört, braucht einen Notar.

Und es gibt kleinere Fälle, an denen man dasselbe sieht. Zwei davon habe ich in [Die Kommune, die handelt](https://borisgloger.at/die-kommune-die-handelt/) erzählt, und ich lese sie heute anders. Preston begann 2011, seine großen öffentlichen Einrichtungen dazu zu bringen, bei Betrieben der Region einzukaufen. Kein Gesetz musste sich ändern; das Geld war ohnehin da, es floss nur woandershin. Binnen vier Jahren blieben rund 200 Millionen Pfund mehr in Lancashire, 74 davon in Preston selbst (UK, CLES). Porto Alegre ließ ab 1989 seine Stadtviertel über den Haushalt entscheiden und brachte damit Wasser und Schulen in Viertel, die keine hatten.

Damals waren mir das Beispiele dafür, was eine Kommune kann. Heute sehe ich, dass sie etwas Genaueres zeigen: wo die Ordnung der Knappheit dünn ist. In Preston war es das Beschaffungsrecht, das niemand der Stadt nehmen konnte. In Porto Alegre der Haushalt, über den die Stadt selbst verfügte.

### Was „dünn" heißt

Die Wissenschaft hat für solche Bewegungen längst Begriffe. Kathleen Thelen und James Mahoney beschreiben, wie Institutionen sich ohne Bruch verändern: durch Schichtung, Umnutzung, Verschiebung, im Normalbetrieb. Erik Olin Wright nennt es interstitiell, wenn jemand in den Zwischenräumen einer Ordnung etwas baut, das schon nach anderen Regeln funktioniert. Der Bruch, den die Revolutionstheorie brauchte, ist in dieser Literatur die Ausnahme.

Die Ordnung der Knappheit ist administrativ verankert. An manchen Stellen ist die Verankerung dünn: in der Kommune, in der Genossenschaft, in der Schule, im Verein, im Betrieb, auf einem Dach. **Dünn heißt zweierlei: Niemand muss dort um Erlaubnis fragen, und niemand hat dort schon in die Knappheit investiert.** Der Übergang beginnt damit, dass an möglichst vielen dieser Stellen gleichzeitig jemand etwas baut, das man benutzen kann.

Ich habe das in [Wer den Bus lenkt](https://borisgloger.at/wer-den-bus-lenkt/) so gesagt: Es gibt keinen Bus mit einem Lenkrad. Es gibt tausend Fahrzeuge. Damals war das eine Diagnose über Macht. Heute lese ich es als Anweisung.

## Durchhalten: Erfahrung vor Rücknahme

Bleibt die schwerere Frage. Der 18\. März 2025 zeigt, wie schnell eine Demokratie umlenkt. Der 29\. Juli 2026 zeigt, wie leicht sie zurücknimmt.

**Der Übergang, der hält, ist der, bei dem die Erfahrung schneller ist als die Rücknahme.**

Alles, was eine Politik bereitstellt, hat eine Frist, bis es zur Erfahrung geworden ist, die jemand verteidigt: bis genug Menschen darin gewohnt, damit gekühlt, darin trainiert, dort ihr Kind abgegeben haben. Die feste Einspeisevergütung galt seit dem Jahr 2000\. Sechsundzwanzig Jahre reichten, um die Dächer zu füllen. Die Anlagen bleiben, die Vergütung für Neue ist weg. Elterngeld, Ganztagsschule, Kindergartenplatz ab drei: Was einmal Erfahrung geworden ist, kann eine Regierung verschlechtern, aber nicht abschaffen, weil die Rechnung für den Verlust zu hoch wäre.

Die Gegenreaktion kommt immer. **Die Frage ist nur, ob sie eine Förderung streicht oder eine Institution, in der Menschen leben.**

### Verfahren oder Wasserhahn

Porto Alegre zeigt auch die andere Seite. Als die Arbeiterpartei 2004 die Stadt verlor, schrumpften die Versammlungen. Die Mittel wanderten zurück in die Verwaltung. 2017 setzte die Stadt den Bürgerhaushalt aus. Die Leitungen und Schulen, die er gebaut hatte, blieben. Die Versammlung nicht.

Was Menschen als Verfahren erfahren hatten, ließ sich beenden. Was sie als Wasserhahn erfahren hatten, nicht. Die Regel wird damit genauer: **Es reicht nicht, dass Menschen mitentscheiden. Sie müssen in dem wohnen, was sie entschieden haben.**

### Die Reihenfolge: das Bad zuerst, dann die Debatte

Daraus folgt die Reihenfolge für eine Politik der Fülle. **Bereitstellen, was erfahrbar ist, vor dem, was nur richtig ist.** Das Bad zuerst, dann die Debatte über den Zuschuss. Die Wohnung zuerst, dann das Gesetz. Das Dach zuerst, dann die Vergütung. Wer die Reihenfolge umkehrt, gewinnt vielleicht das Argument und verliert die Gelegenheit. Argumente lassen sich über Nacht umkehren. Ein Gemeindebau steht hundert Jahre.

Deutschland hat 2023 vorgeführt, was geschieht, wenn man die Reihenfolge umkehrt. Das Heizungsgesetz kam als Vorschrift in die Öffentlichkeit, bevor die Förderung stand, weil der Finanzminister die Förderung nicht bezahlen wollte. Die Menschen erfuhren zuerst die Schlagzeile vom Verbot und erst Monate später den Zuschuss. Tom Krebs, der die Ampeljahre seziert hat, hält das endgültige Gesetz für gut: Es habe „im Prinzip alles" enthalten, was eine moderne Klimapolitik braucht, die großzügige Förderung eingeschlossen. Trotzdem, schreibt er, war der politische Schaden „bereits entstanden und nicht mehr reversibel". Die Zustimmung zur AfD stieg in diesen vier Monaten von fünfzehn auf zwanzig Prozent (DE, Krebs 2026). Das richtige Gesetz zur falschen Zeit bewirkte das Gegenteil von dem, was es wollte, weil niemand die Wärmepumpe erfahren hatte, bevor die Schlagzeile vom Verbot kam.

### Beitrag statt Rang

Eine Ordnung, die erfahrbar bereitstellt, misst Menschen nicht mehr an ihrem Rang. Woran dann? An ihrem Beitrag, und das Wort ist gefährlich. Nützlichkeit für die Gemeinschaft war in jeder produktivistischen Ordnung des zwanzigsten Jahrhunderts das Kriterium, mit dem man die Unnützen aussonderte.

Hannah Arendt hat den Unterschied gemacht, der hier schützt. Sie trennt das Herstellen, das in einem Produkt endet und am Ergebnis gemessen wird, vom Handeln, das zwischen Menschen geschieht und kein Ergebnis hat, das man abrechnen könnte. Ein Kind großziehen. Einen Verein offen halten. Einer Nachbarin die Tür aufhalten. Eine Halle aufschließen. Das sind keine Leistungen in Stückzahlen. Es sind die Formen, in denen ein Mensch in einer Welt anwesend ist. Eine Ordnung, die das achtet, stellt sicher, dass jeder handeln kann. Und gleiche Würde bleibt bedingungslos: Wer nichts beitragen kann, gehört trotzdem dazu. Genau dafür sind Institutionen da.

### Wiesbaden, siebziger Jahre

Ich bin selbst Zeuge, dass so eine Ordnung einmal bestand. Und dass sie nicht mehr besteht.

Ich bin in Wiesbaden in den siebziger Jahren aufgewachsen, in einer Mansardenwohnung, mit einer Mutter, die allein war und Krankenschwester. Getragen hat mich eine Stadt.

Eine Bibliothek vor der Haustür. Ein Museum gegenüber. Eine Volksschule mit weniger als zwanzig Kindern und einer Lehrerin, die an mich glaubte. Ein städtisches Gymnasium. Ein Verein, der alles enthielt. Nichts davon musste ich mir verdienen. Es stand da, für alle Kinder der Straße, und die meisten benutzten es, ohne je zu wissen, dass es eine politische Entscheidung war.

Ich bin nicht der Beweis, dass Aufstieg funktioniert. Ich bin der Zeuge dafür, dass es einmal eine Ordnung gab, in der ein Kind die Frage nach dem Aufstieg nicht als erste stellen musste, weil das, was es brauchte, bereitstand. Diese Ordnung ist heute an den meisten Stellen zurückgenommen. **Niemand hat sie widerlegt. Man hat sie einzeln verkauft.**

Was Menschen wissen, kann noch schneller verloren gehen als das, was sie haben.

## Die Wahlnacht

### Warum ich das alles schreibe

Ich sollte an dieser Stelle sagen, warum ich diese acht Essays geschrieben habe. Nicht aus Liebe zur Wirtschaftspolitik. Ich habe sie geschrieben, weil ich mich gegen die einfachen falschen Erklärungen stelle, die gerade das Land erobern: dass die Fremden schuld seien, dass der Staat zu viel verteile, dass es für alle nicht reiche. Die Rechtsextremen leben von diesen Erklärungen, und sie leben davon, dass die Gegenseite nur Kompliziertes anzubieten hat.

Die acht Essays sollten zeigen, dass die richtige Erklärung genauso einfach ist. Und dass auch das, was zu tun wäre, einfach klar ist: **Das Gut ist da. Der Zugang ist zu. Also öffnet ihn.** Wer das verstanden hat, braucht keinen Sündenbock mehr.

Deshalb lese ich die beiden Wahlnächte dieses Septembers als Warnsignale, den 6\. September in Sachsen-Anhalt und den 20\. September in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Prozente allein machen sie noch nicht zur Warnung. Es ist das, was danach kommt, und um das zu sehen, braucht man Ruch.

Philipp Ruch hat in diesem Sommer an einem Datum gezeigt, wie schnell die Gegenseite sein kann: an dem Tag, an dem eine Demokratie begann, ihr Wissen zu verlieren.

Am 20\. Mai 1928 wählten 2,6 Prozent die NSDAP. Die Zeitungen führten sie unter „Sonstige". Am 14\. September 1930 waren es 18,3 Prozent und 107 Mandate, zur Überraschung aller, die Partei selbst eingeschlossen.

Bis zum Wahlabend war das Land nüchtern und richtig informiert. Es hielt diese Partei für das, was sie war. Danach änderte sich nicht die Partei. Es änderte sich die Frage, die sich jeder stellte: Wenn so viele sie gewählt haben, kann ich sie dann noch für das halten, was ich gestern noch wusste?

Am 25\. September legte Hitler in Leipzig seinen Legalitätseid ab. Anfang Oktober empfing ihn der Reichskanzler. Im Oktober beschloss die SPD, die Regierung zu tolerieren. Und die halbe bürgerliche Presse suchte, wie Ruch es beschreibt, mit der Lupe nach den akzeptablen Seiten. Rudolf Heß schrieb: „Wir sind plötzlich hoffähig geworden." Ruch nennt das den Machtschock; die Zeitgenossen hatten ein eigenes Wort dafür, „Hitlerpsychose". Zwischen der Wahlnacht und der Tolerierung lagen zweiundzwanzig Tage.

Man muss seine Hauptthese nicht teilen. Ruch sagt, nicht die Wirtschaftskrise habe die Wahl gesteuert, sondern die Wahl die Krise. Im September 1930 gab es über drei Millionen Arbeitslose, das räumt er selbst ein, und die Forschung ist ihm in dieser Umkehrung nicht gefolgt. Aber der Befund, den er aus den Zeitungen holt, trägt. Vor der Wahl war das Wissen über diese Partei, wie er schreibt, „Allgemeingut". Es fehlte nicht. Es wurde in drei Wochen umgewertet, nachdem in einer Nacht sichtbar geworden war, dass alle sahen, was alle sahen.

Hier läuft Kurans Kaskade, derselbe Mechanismus, den ich für die Fülle beschrieben habe, nur mit umgekehrtem Vorzeichen und in anderem Tempo. Gemeinsames Wissen entsteht durch etwas, das alle gleichzeitig sehen. Eine Wahlnacht ist so etwas. Ein Gemeindebau ist es auch, aber er braucht zwanzig Jahre, bis genug Menschen darin gewohnt haben.

**Normalisierung dauert Wochen. Erfahrung dauert Jahre.** Der Wettlauf, von dem das vorige Kapitel handelte, ist nicht fair.

## Die Grenze der Formel

Ruch zieht aus seinem Material eine Erkenntnis, die er bei der Vorstellung seines Buchs die erschreckendste nannte. Sie verschärft den Einwand.

Zerstört habe die Republik am Ende weniger der Terror als das Umfallen. Menschen seien „viel biegsamer, viel formbarer", als wir annehmen, und Institutionen, die als fest gelten, ebenso. Im Buch heißt es nüchterner: „Größere Teile der Gesellschaft erblinden", und der Vorgang sei „im Kern ein Wissens- und Erfahrungsverlust". 1931, sagte er bei der Premiere, wirke Deutschland wie ein anderes Land, als hätte man eine Generation ausgetauscht.

Wenn das stimmt, und die Sozialpsychologie seit Solomon Asch spricht dafür: Was hält dann überhaupt?

Die Antwort, die Ruchs Befund und Piersons Forschung zusammen geben, ist die Antwort dieser Reihe. Nur schärfer, als ich sie ohne ihn formuliert hätte.   

**Überzeugungen halten nicht.** Überzeugungen sind Erwartungen darüber, was die anderen erwarten, und sie kippen in einer Wahlnacht. **Was hält, ist das, worin Menschen wohnen.** Die Sozialversicherung, die Bismarck eingeführt hatte, bauten die Nationalsozialisten um, aber sie schafften sie nicht ab. Den Karl-Marx-Hof beschoss das Bundesheer im Februar 1934 mit Artillerie; die Partei, die ihn gebaut hatte, wurde verboten; die Wohnungen sind bis heute bewohnt.

**Biegsam ist, was im Kopf ist. Zäh ist, was gebaut wurde und benutzt wird.**

Ruchs Buch enthält dafür eine Probe, die er selbst so nicht sieht. In Thüringen regierte die NSDAP seit Januar 1930 mit; ihr Innenminister entließ Beamte, verbot Bücher, ließ Hassgebete in Schulen sprechen. Das Land konnte täglich sehen, was diese Partei an der Macht tut. Es half nichts. Im Dezember 1930 nannte ein Vertrauter Hindenburgs in einer Zeitungsumfrage gerade Thüringen als Beleg dafür, dass Ordnung herrsche, wo die Partei mitregiert. Erfahrung, die andere machen, ist Information, und Information lässt sich umdeuten. Was hält, ist Erfahrung, die einem selbst gehört und deren Verlust einen selbst treffen würde.

**Eine Politik der Fülle muss deshalb in Dinge investieren und nicht in Meinungen.** Ruch hat darum auch mit einer bitteren Nebenbemerkung recht, die er in einem Gespräch zu seinem Buch machte: dass man die Nazis 1932 nicht „kaputt demonstrieren" konnte, obwohl die Eiserne Front Woche für Woche auf der Straße stand. Eine Demonstration macht die Gegenseite sichtbar, und das ist ihr Wert. Aber am Abend ist sie vorbei, und niemand wohnt in ihr. Was sie hinterlässt, ist eine Meinung. Und Meinungen biegsam.

Hier hat die Formel dieses Essays eine Grenze. Was 1933 hielt, war das Materielle: die Kassen, die Wohnungen. Was fiel, war das Politische: Parteien, Gewerkschaften, Presse, Gerichte. Erfahrung erzeugt Verteidigung, das stimmt. **Aber sie schützt Versorgung, nicht Freiheit.** Eine unabhängige Justiz lässt sich nicht erfahren wie ein Wasserhahn. Man merkt erst, dass sie fehlte, wenn sie fehlt.

Der Übergang, der hält, braucht deshalb zwei Dinge, die verschieden sind. Die erfahrbare Fülle, die Menschen nicht mehr hergeben. Und die Verfahren, die den Notstand verhindern: Opposition, Gerichte, eine Presse, die widerspricht. Die zweiten halten nicht von selbst. Sie halten nur, wenn vorher verabredet ist, was man tut, wenn eine Wahlnacht das gemeinsame Wissen kippt. Denn nach der Wahlnacht verabredet niemand mehr etwas. Danach passt man sich an.

### Sachsen-Anhalt, September 2026

Am 6\. September 2026 erhielt in Sachsen-Anhalt eine Partei, deren Landesverband der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft, 43,8 Prozent und verfehlte die absolute Mehrheit um drei Mandate. Ein Machtschock im Sinn Ruchs war das nicht; die Umfragen hatten es angekündigt, und gemeinsames Wissen kippt, wenn ein Ergebnis überrascht. Ruch selbst liefert das Material für die Gegenprobe: Im Juni 1930 holte die NSDAP in Sachsen 14,4 Prozent, drei Monate vor der Reichstagswahl, und niemand erschrak. Er registriert das und erklärt es nicht. Ich lese es so: Was erwartet wird, kippt nichts. Aber die Probe, die er beschreibt, läuft jetzt. Vier Parteien hielten ihre Verabredung, nicht zu sondieren, in den ersten drei Tagen. Die fünfte, das Bündnis Sahra Wagenknecht, brach sie am dritten Tag. Am 20\. September folgte Mecklenburg-Vorpommern: gut 38 Prozent, stärkste Kraft, die CDU aus dem Landtag. Und schon in dieser Wahlnacht hörte ich in den Interviews den Ton, den Ruch für den Oktober 1930 beschreibt: Man werde mit den Wähler:innen reden müssen, man könne so viele nicht ignorieren, die Abgrenzung sei zu überdenken. Ob dieser Ton in den kommenden zwei Monaten von „nicht regierungsfähig" zu „man wird reden müssen" wandert, ist die Frage, die 1930 in drei Wochen beantwortet war. Nach zwei Wahlnächten in vierzehn Tagen hat sie begonnen, sich zu beantworten.

### Berlin, und was Hoffnung macht

Dieselbe Wahlnacht hat aber noch etwas gezeigt, und ich will es nicht kleiner machen, als es ist. In Berlin hat die Linke mit knapp 26 Prozent gewonnen, mit Mieten, Wohnen und dem Alltag der Stadt, also mit derselben Erzählung, mit der Zohran Mamdani in New York gewonnen hat: Wir stellen bereit, was ihr braucht, und wir fangen sofort an. **Man kann die andere Erzählung gewinnen lassen.** Ob die Linke in Berlin daraus macht, was Mamdani daraus gemacht hat, den Mietenstopp im ersten Halbjahr, den Laden, die Kinderbetreuung, entscheidet sich in den nächsten neun Monaten. Ich wünsche es ihr, und ich werde hinsehen.

Und dann hört man, was am Montag darauf in Kloster Banz gesagt wurde. Markus Söder fragte vor der CSU-Landtagsfraktion, ob es „das einzige Ziel" der Union sein könne, „nur mit anderen linken Parteien Koalitionen zu bilden", oder ob man nicht „umgekehrt" die AfD „einholen, vielleicht sogar irgendwann überholen" müsse. Das ist der Ton, den Ruch meint. Wer am Tag nach zwei solchen Wahlnächten die Linke zum Problem erklärt und die AfD zum Maßstab, betreibt genau die Politik, die er der AfD vorwirft: Er sucht den Gegner dort, wo er ihn brauchen kann, und lässt die Erklärung stehen, die den Rechten die Wähler:innen bringt. **Die Normalisierung beginnt nicht bei denen, die die AfD wählen. Sie beginnt bei denen, die ihr nachlaufen wollen.**

Für den Wettlauf dieses Essays heißt das: Die Argumente bleiben, wie sie sind. **Was zählt, ist, was am Morgen nach der Wahl schon gebaut ist und schon benutzt wird.**

## Was ein Programm hier vorfinden würde

Ich habe diese Reihe begonnen, um das Fundament für eine politische Utopie zu legen; das Wort kommt am Ende. Ein Fundament ist kein Haus. Dieser Essay wird kein Programm. Er soll sagen, was ein Programm vorfinden würde, wenn es auf diesem Boden zu bauen beginnt. Und was es dort nicht vorfindet.

### Erstens: eine Diagnose, die genauer ist als ihre Parole

Es findet zuerst eine Diagnose, die genauer ist als ihre Parole. „Es gibt keine Knappheit" ist als Satz gut und als Analyse zu grob. Ich habe im ersten Essay begründet, warum: Es gibt vier Ebenen der Knappheit.

1. die **materielle Grenze**;
2. die **fehlende Kapazität**;
3. den **institutionellen Ausschluss**;
4. und die **politische Priorität**, die sich als Sachzwang ausgibt.

Eine ausgelastete Pflegekraft wird durch keine Erzählung zu zweien. Ein Netz hat eine Grenze; das habe ich auf meinem eigenen Dach gelernt.

Die sieben Essays haben deshalb etwas anderes getan, als die Parole zu beweisen. Sie haben an sieben Institutionen gezeigt, auf welcher der vier Ebenen der Mangel jeweils sitzt. In allen sieben Fällen saß der entscheidende Teil auf der dritten und vierten: im Zugang und in der Priorität, die niemand so nennt.

Das ist, was ein Programm zuerst wissen muss: wo es ansetzen kann. Ein Programm, das gegen die materielle Grenze anrennt, verspricht, was es nicht halten kann. Eines, das den institutionellen Ausschluss für eine Naturkonstante hält, verspricht nichts. Die Essays haben die Stellen markiert, an denen eine Entscheidung als Sachzwang auftritt. Erst dort hat ein Programm überhaupt Sinn.

### Zweitens: Bausteine, die in Betrieb sind

Es findet, zweitens, Bausteine, die in Betrieb sind. Ein Programm, das Institutionen verspricht, die es noch nie gab, muss sich auf Modelle verlassen. Dieses könnte auf Betriebe zeigen, die laufen. Der Gemeindebau ist hundert Jahre alt. Deutsche Kommunen haben ihre Netze hundertfach zurückgeholt. Die Ganztagsschule, die bereitstellt, was andere Kinder zu Hause bekommen, existiert, wenn auch nicht für alle. Der Verein, der alles enthält, hat mich selbst großgezogen. Die Genossenschaft, in der die Arbeitenden über den Ertrag mitentscheiden, ist eine Rechtsform. Jede Behauptung über diese Bausteine lässt sich an einem Ort überprüfen, an dem sie schon gilt.

### Drittens: der Mechanismus, der hält

Es findet, drittens, den Mechanismus, der hält, und die Bedingung, unter der er versagt. Den Mechanismus haben die Kapitel über das Umlenken und das Durchhalten beschrieben, die Bedingung seines Versagens die Wahlnacht und die Grenze der Formel.

### Viertens: ein Ökonom, der am selben Ort ankommt

Und es findet, viertens, einen Ökonomen, der von der anderen Seite kommt und am selben Ort ankommt. Tom Krebs, Makroökonom in Mannheim und derzeit der sichtbarste akademische Vertreter einer geplanten Marktwirtschaft in Deutschland, hat in diesem September ein Buch vorgelegt, das nicht von Institutionen ausgeht, sondern von einer Lücke: Die deutsche Wirtschaft liegt elf Prozent unter dem, was 2019 zu erwarten war. Von dort kommt er zu denselben Befunden wie diese Reihe. Der Staat verteilt, wo er bereitstellen müsste. Wohngeld erhöht die Mieten, statt Wohnungen zu schaffen. Die Netze sind privat und bringen auf einem Monopol zweistellige Renditen. Die Ganztagsschule scheitert an Ländern, die an der falschen Stelle gespart haben, und erst danach an fehlenden Menschen. Und wo ein Stahlwerk schließt, heißt die Frage nicht Staat oder Markt, sondern Staat oder gar nichts.

Seine vier Leitlinien für ein Programm lauten: Versorgung garantieren, Vollbeschäftigung, Klimaneutralität, und als vierte das Aufstiegsversprechen erneuern. Drei davon stellen bereit. Die vierte verspricht das Gut, das nur aus Fehlen besteht, und ich habe im Kapitel über den Aufstieg gesagt, warum ich sie für die Schwachstelle halte. Aber die Übereinstimmung an den ersten drei wiegt mir schwerer als der Streit um die vierte. Zwei Wege, Makrodaten und Institutionen, kommen am selben Ort an. Das beweist nicht, dass der Ort richtig ist. Es macht unwahrscheinlicher, dass er ein Irrtum ist.

Eines allerdings misst Krebs in der Währung, die der erste Essay dieser Reihe als Thermometer des Mangels beschrieben hat: in Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in zwölftausend Euro pro Haushalt und Jahr. Der Verlust ist real. Aber wer ihn so misst, hat noch nicht gesagt, was da ist.

### Fünftens: die Rechnung, zweimal gemacht

Und es findet, fünftens, eine Rechnung, die zweimal gemacht wurde, von zwei Seiten, mit derselben Richtung im Ergebnis. Im Februar habe ich in „[Es gibt keine Knappheit](https://borisgloger.at/es-gibt-keine-knappheit/)“ mit einem Modell auf Basis des Blanchard-Leigh-Multiplikators durchgerechnet, was passiert, wenn der Staat das ersetzt, was der private Sektor jedes Jahr zur Seite legt und nirgends investiert: rund dreihundertsiebzig Milliarden Euro, dokumentiert in der Finanzierungsrechnung der Bundesbank. Ein Programm von fünfhundertvierundvierzig Milliarden im Jahr, für Infrastruktur, Bildung, Pflege, Renten, Kindergeld und Wohnungen. Zweiundvierzig bis fünfzig Prozent davon kommen als Steuern und Beiträge zurück. Die Schuldenquote sinkt, weil die Wirtschaft schneller wächst als die Schulden. Vermögens- und Erbschaftssteuer beschleunigen das; eine Voraussetzung sind sie nicht, und wer mit ihnen anfängt, verwechselt die Reihenfolge. Für Österreich ergibt dasselbe Modell rund vierundsechzig Milliarden im Jahr. Später kamen Höfgens Rentenvergleich, hundertzwanzig Milliarden, und van Akens Vermögensteuer, hundertsiebenundvierzig, dazu.

Krebs rechnet von der anderen Seite. Er misst die Lücke: elf Prozent unter dem Trend vor den Krisen, rund fünfhundert Milliarden Euro im Jahr. Das ist fast genau die Summe, die mein Programm ausgeben würde. Ich habe von der Ersparnis her gerechnet, er vom Verlust her, und beide Wege enden bei derselben Zahl. Seine Reihenfolge ist auch meine: Investitionen über Kredit, weil sie das Produktionspotenzial heben und die Schulden tragfähiger machen. Das Sondervermögen, 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr, nennt er einen Grundstein, der nicht reicht. Die Ausgaben, die dauerhaft anfallen, zwanzig Milliarden im Jahr für Kitas, Schulen und Ausbildung, legt er auf eine Vermögenssteuer mit zehn Millionen Euro Freibetrag, die siebenundzwanzig Milliarden bringt und nach seiner Lesart der Evidenz das Wachstum eher hebt als bremst.

In der Vorsicht unterscheiden wir uns, und ich will das nicht verstecken. Krebs rechnet mit zwei Prozent Wachstum im Jahr bis 2045; mein Modell kommt auf deutlich mehr, und wer meine Zahlen anzweifelt, kann das Skript herunterladen und die Parameter selbst setzen. Er hält es für falsch, Bildung und Daseinsvorsorge dauerhaft nur über Kredit zu finanzieren, weil das auch für Deutschland den Verschuldungsrahmen sprengen würde; ich sehe die Steuer als Beschleuniger, er als Bedingung. Das sind Unterschiede in der Dosis. Die Richtung ist dieselbe: Wer spart, wird ärmer. Wer investiert, holt es aus dem Wachstum zurück. Deutschland kann im Euro kein Geld schöpfen, aber es kann Anleihen ausgeben, und der 18\. März 2025 hat gezeigt, dass sich dafür eine Mehrheit findet, wenn eine Regierung sie will.

Das ist die Möglichkeit, die hier liegt, und ich schreibe sie so deutlich, wie ich kann: Das Geld ist da. Die Rechnung liegt vor, zweimal, mit verschiedenen Methoden, von einem Philosophen mit einem Modell und von einem Makroökonomen mit den Daten der Bundesbank. Offen ist der Beschluss.

### Und was hier nicht liegt

Und dann findet es, was hier nicht liegt. Ich schreibe das auf, bevor es jemand anderes tut.

- **Die Kapazität.** Die Essays beweisen nicht, dass sie da ist. Wer der Schule das Ganztagsversprechen gibt, ohne die Menschen zu haben, die den Nachmittag tragen, erzeugt eine Enttäuschung, die als Beweis gegen die Fülle gelesen wird.
- **Die Finanzierung.** Sie ist gerechnet, zweimal, siehe oben. Was hier nicht liegt, ist der Beschluss. Schuldenbremse und europäische Fiskalregeln lassen sich öffnen, der 18\. März 2025 hat es gezeigt. Eine Regierung, die das Sondervermögen für Kitas, Schulen und Krankenhäuser wiederholt, gibt es bisher weder in Berlin noch in Wien.
- **Migration, Sicherheit, Europa, Krieg.** Zu den Fragen, an denen Regierungen gescheitert sind, die das Soziale richtig beantwortet hatten, sagen die Essays nichts. Ein Programm wird durch Schweigen darüber nicht regierungsfähig. Diese Reihe hat es nicht versucht.

Was also liegt hier? Eine Diagnose, die trägt. Bausteine, die existieren. Ein Mechanismus, der bekannt ist. Eine Rechnung, zweimal gemacht. Und der Beweis, dass eine Demokratie im Normalbetrieb umlenken kann, weil sie es getan hat. Das ist mehr, als die meisten Programme mitbringen, die in diesem Land geschrieben werden. **Es ist kein Programm. Der Abstand dazwischen ist Arbeit.** Sie ist im Gang, und ich komme am Ende darauf zurück.

## Drei Einwände

Bevor ich zum Schluss komme, drei Einwände, die ich mir selbst gemacht habe. Sie sind stärker als die, die von außen kommen werden.

### Erster Einwand: Bevormundung

Wer sagt, Erfahrung schlage Argument, sagt auch: Wir bauen es, und ihr werdet schon sehen. In diesem Ton hat jede Planungsbürokratie des zwanzigsten Jahrhunderts ihre Wohnblöcke hingestellt. Die Menschen haben nicht immer gesehen.

Der Einwand trifft. Die Antwort steht bei Campbell und in Porto Alegre. Campbell hat gezeigt, welche Programme Verteidiger:innen hervorbringen: die universellen, die Menschen als Recht erleben, und nicht die bedürftigkeitsgeprüften, die sie als Almosen erleben. Bereitstellung, die demütigt, erzeugt keine Erfahrung, die jemand verteidigt. Sie erzeugt Scham. Scham wählt anders. Porto Alegre ergänzt und begrenzt zugleich: Die Viertel hatten selbst entschieden, wo die Leitungen liegen, und die Leitungen blieben. Die Versammlung, in der sie entschieden hatten, blieb nicht. Entscheiden allein schützt nicht; es muss in etwas münden, worin man wohnt. Die Regel „bereitstellen, was erfahrbar ist" heißt also nicht, dass jemand für andere entscheidet, was sie erfahren sollen. Sie heißt, dass die Entscheidung in etwas münden muss, worin die Entscheidenden dann wohnen. **Das Bad muss offen sein. Die Stadt muss gefragt haben, wo.**

### Zweiter Einwand: Symmetrie

Wenn Erfahrung Verteidigung erzeugt, dann gilt das für die Knappheit genauso, und ich habe es selbst gesagt: Wer eine Wohnung als Anlage gekauft hat, verteidigt die Wohnungsnot, ohne sie zu wollen. Das Land Niederösterreich verteidigt seine Dividende. Die Ordnung der Knappheit hat ihre eigenen Bewohner:innen. Es sind viele, und sie sind organisiert.

Der Satz dieses Essays ist also keine Garantie. Er ist eine Bedingung, die für beide Seiten gilt. Und sie erklärt, warum der Übergang nicht dort beginnt, wo die Knappheit am dichtesten bewohnt ist. Er beginnt an den dünnen Stellen, wo noch niemand in ihr wohnt: auf dem leeren Dach, in der Halle, die abends dunkel ist, im Netz, dessen Konzession ausläuft. Und er muss denen, die in der Knappheit wohnen, etwas anbieten, das sie erfahren können. Die Eigentümerin der Anlagewohnung ist nicht der Feind. Sie hat ihre Rente in Beton angelegt, weil die Rente, die sie kannte, nicht reichte. **Ein Programm, das ihr eine Rente zeigt, die reicht, hat eine Bewohnerin der Knappheit weniger.**

### Dritter Einwand: Reformismus

Wer in den Zwischenräumen baut, baut Nischen, und Nischen werden absorbiert. Die Genossenschaft wird zum Lifestyle, der Gemeindebau zur Ausnahme, das Solardach zum Privileg der Hausbesitzer:innen.

Wright selbst hat diesen Einwand am ernstesten genommen. Er hielt das Bauen in den Zwischenräumen nie für ausreichend und stellte die zweite Strategie daneben: die Verbindung mit einem Staat, der zulässt und verallgemeinert. Der zweite Essay dieser Reihe handelte von diesem Staat, dem, der anfängt. Ich glaube nicht, dass die dünnen Stellen allein reichen. Ich glaube, dass dort die einzige Erfahrung entsteht, die den Staat bewegen kann, bevor er sich von selbst bewegt.

Die deutschen Dächer haben das vorgemacht. Erst standen sie da, zu Hunderttausenden. Dann strich der Bund die Steuer auf neue Anlagen. Dann standen noch mehr da. Und erst als sich das bewährt hatte, kam die Rücknahme der Vergütung. **Die Nische hat den Staat bewegt, nicht umgekehrt.** Dass er sich zurückbewegt hat, ist das Argument dieses Essays, nicht das Gegenargument.

## Die verstreute Utopie

Ich habe diese acht Essays geschrieben, um das Fundament für etwas zu legen, das man in Deutschland und Österreich nicht mehr gern sagt: eine politische Utopie.

Das Wort ist zum Vorwurf geworden. „Das ist utopisch" heißt: Das gibt es nicht, das kann es nicht geben, hör auf zu träumen. Ich möchte das Wort zurückholen. Und ich möchte es anders gebrauchen, als die Tradition es getan hat.

Eine Utopie ist wörtlich ein Nicht-Ort. Die klassischen Utopien machten daraus einen Ort, den es noch nicht gibt, und malten ihn aus: die Insel, die Stadt, den Zustand, in dem alles gelöst ist. Das kann ich nicht, und ich will es nicht. Wenn Fülle heißt, dass das Vorhandene nicht alles ist, wenn das Werden das Noch-Nicht erst hervorbringt, statt auf es zuzulaufen, dann kann die Utopie kein Zielbild sein. Sie kann nur eine Ordnung sein, deren Zweck es ist, dass Menschen handeln können, ohne dass feststeht, was dabei herauskommt. Eine Republik der Möglichkeiten, nicht der Ergebnisse.

Und dann fällt einem auf: **Diese Utopie hat keinen Ort, weil sie verstreut ist.**

Sie steht in Wien, in 1.800 Gemeindebauten. Sie steht auf einem Dach in Moosbrunn. Sie stand in einer Turnhalle in Wiesbaden und steht in Ganztagsschulen, in Genossenschaften, in Betrieben, die ihren Leuten gehören, in einer Stadt am Hudson, die ihre Mieten einfriert. An jeder der sieben Institutionen, die diese Reihe durchgegangen ist, gibt es sie schon. Nur nicht für alle. Und nirgends verbunden.

Das macht sie realistisch, in einem strengen Sinn: Ihre Bauteile sind in Betrieb. Ob sie als Ganzes trägt, kann kein Essay beweisen, und ich behaupte es nicht. Das entscheidet sich in der Arbeit, die man daran tut. Erik Olin Wright hat solche Ordnungen reale Utopien genannt: Einrichtungen, die schon existieren und schon nach den Regeln funktionieren, die für das Ganze erst gelten sollen. Eine Utopie, deren Teile schon laufen, ist eine Baustelle, auf der noch niemand die Teile zusammengesetzt hat.

### Meine Position in vier Sätzen

Meine Position, nach acht Essays:

- **Nicht umverteilen, sondern bereitstellen.**
- **Nicht der Staat, der wartet, bis der Markt es erlaubt, sondern der, der anfängt.**
- **Nicht Gerechtigkeit als Sprache**, weil sie im Rahmen der Knappheit spricht, **sondern Würde**, die man nicht aufteilen muss.
- **Nicht nach der Krise, sondern in ihr**, weil auf die Unordnung sonst ein Staat antwortet, der die Vollmachten dazu hat.

Daraus folgt kein Zehn-Punkte-Programm, jedenfalls nicht hier. Es folgt eine Richtung mit drei Bewegungen:

1. **Das Messinstrument umstellen:** bei jedem Mangel zuerst fragen, was da ist und wer den Zugang hält, statt was fehlt.
2. **Bereitstellen, wo die Ordnung dünn ist**, und zwar so, dass es erfahrbar wird, bevor es jemand wegverhandelt.
3. **Die Sprache wechseln:** weg von der Verteilung eines knappen Kuchens, hin zu dem, was eine Gesellschaft ohnehin hat und nur nicht für alle öffnet.

Zwischen einer Deutung und einer Institution liegt ein Weg, den kein Essay geht. Eine Deutung verbindet eine Erfahrung mit einer Erklärung; das haben diese acht Essays versucht, und mehr können sie nicht. Danach muss aus der Erklärung ein Gegenstand werden, über den Menschen öffentlich beraten. Aus der Beratung müssen Menschen werden, die tätig werden. Aus den Menschen eine Zusammenarbeit, auf die man sich verlassen kann. Aus der Zusammenarbeit eine Entscheidung, die jemanden an eine Regel oder an Geld bindet. Und aus der Entscheidung etwas, das bleibt, wenn der Anlass vorbei ist. An jedem dieser Übergänge kann es reißen. Ein Text bleibt ungelesen. Ein Thema endet ohne nächste Handlung. Ein Beschluss bleibt ohne Personal. Eine Einrichtung wird später ausgehöhlt.

Am Ende steht die Frage, die dieser Essay in jedes Glied der Kette trägt: **Sind die Möglichkeiten größer geworden, die jemand tatsächlich hat?** Wenn nicht, war es keine Institution. Es war eine Ankündigung.

### Wer macht mit?

Ich arbeite an diesem Weg, in einem Papier, das die Machtfrage so ernst nimmt wie die Knappheitsfrage: was an jeder der sieben Institutionen konkret gebaut werden müsste, von wem, mit welchem Geld und welchen Menschen, und woran man erkennen würde, dass es nicht funktioniert. Es liegt vor und ist nicht fertig. Aber ich habe beim Schreiben gemerkt, dass ich es nicht allein zu Ende bringen kann, und dass es auch falsch wäre. Ein Papier, das ein Einzelner schreibt, ist eine Deutung mehr. Eine Institution entsteht erst, wenn andere sie planen, bezahlen und betreiben.

Deshalb endet diese Reihe mit einer Frage: **Wer macht mit?** Wer hat an einer der sieben Stellen schon etwas gebaut, eine Schule, die nicht sortiert, ein Netz in kommunaler Hand, und weiß, woran es hängt? Wer will in den nächsten Monaten mit mir darüber nachdenken, wie wir zu einem Staat kommen, der bereitstellt, statt zu warten, bis der Markt es erlaubt? Antwortet auf diese Mail oder schreibt mir. Ich lege das Papier denen vor, die sich melden, und ich werde berichten, was daraus geworden ist.

**Die Utopie ist kein Ort. Sie ist verstreut, und man kann sie besuchen.**

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## Quellen

- Deutscher Gewerkschaftsbund (Hg.), [Protokoll Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes](https://library.fes.de/pdf-files/bibliothek/bestand/x-3125%5F1949.pdf?ref=borisgloger.at), München 12.–14\. Oktober 1949, Köln 1950, S. 205 (Beschluss 14\. Oktober, einstimmig) und S. 318 f. (Wirtschaftspolitische Grundsätze; Digitalisat FES-Bibliothek).
- Deutscher Bundestag, Textarchiv, [„Mehrheit für Reform der Schuldenbremse: 512 Abgeordnete stimmen mit Ja"](https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw12-de-sondersitzung-1056916?ref=borisgloger.at), Sondersitzung 18\. März 2025 (512 Ja, 206 Nein; Sondierungsbeginn 4\. März; Bundesrat 21\. März 2025).
- Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle, 29\. Juli 2026, Ende der festen Einspeisevergütung für neue Anlagen unter 50 kW ([taz, 29\. Juli 2026](https://taz.de/EEG-und-Netzentgelte/!6200119/?ref=borisgloger.at)).
- Richard Murphy, [„The coming economic crisis is real"](https://www.youtube.com/watch?v=gKuXSc3dJ-U&ref=borisgloger.at), Funding the Future, YouTube, Mai 2026; ders., [„Markets are failing: when will rationing be necessary?"](https://www.youtube.com/watch?v=SrhCN4q3Erk&ref=borisgloger.at), YouTube, 11\. Mai 2026\. China: Exportstopp für Raffinerien 5\. März 2026; Slowenien: Rationierung 50 Liter pro Tag ab 23\. März 2026; Deutschland: Tankrabatt 17 Cent, Paket vom 13\. April 2026 (nach Krebs, Kap. 7). Adam Tooze im Gespräch mit Lukas Scholle, [„Wie China die Ölpreis-Explosion verhindert hat"](https://www.youtube.com/watch?v=2nkVOpaDMWY&ref=borisgloger.at), Surplus Magazin, YouTube, 21\. August 2026: Importe von 11,6 auf rund 8 Millionen Barrel täglich (EIA, 2\. Quartal 2026), strategische Vorräte rund 1,5 Milliarden Barrel, Preiseffekt 20 bis 30 Dollar als Schätzung.
- Fred Hirsch, [Social Limits to Growth](https://doi.org/10.4159/harvard.9780674497900?ref=borisgloger.at) (Harvard University Press 1976): positional goods.
- Daniel Markovits, The Meritocracy Trap (2019); Michael Hartmann, Elitenforschung; Raj Chetty et al. (2014): siehe [Connecting the Dots](https://borisgloger.at/tag/connecting-the-dots/).
- Clara E. Mattei, [The Capital Order](https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/C/bo181707138.html?ref=borisgloger.at) (University of Chicago Press 2022).
- Heinrich Popitz, [Prozesse der Machtbildung](https://www.mohrsiebeck.com/en/book/prozesse-der-machtbildung-9783161698965/?ref=borisgloger.at) (1968): Liegestuhl-Beispiel, Legitimitätsgeltung, Investitions- und Ordnungswert.
- Timur Kuran, [Private Truths, Public Lies](https://www.hup.harvard.edu/books/9780674707580?ref=borisgloger.at). The Social Consequences of Preference Falsification (Harvard University Press 1995).
- Philipp Ruch, [Der Rückfall. Der rätselhafte Triumph der NSDAP am 14\. September 1930](https://www.penguin.de/buecher/philipp-ruch-der-rueckfall/buch/9783453219243?ref=borisgloger.at) (Heyne 2026): Machtschock, „Hitlerpsychose", „Allgemeingut", 22 Tage bis zur Tolerierung, „Wissens- und Erfahrungsverlust", Thüringen, Sachsen Juni 1930; „biegsamer, formbarer" und „kaputt demonstrieren" aus [Interview 14\. September 2026](https://www.youtube.com/watch?v=0rkrsVH04zg&ref=borisgloger.at) und [Buchpremiere Berlin 26\. August 2026](https://www.youtube.com/watch?v=5hxo-IoM5Vc&ref=borisgloger.at). Kritisch dazu: [Deutschlandfunk, Otto Langels](https://www.deutschlandfunk.de/philipp-ruch-der-rueckfall-102.html?ref=borisgloger.at), 3\. September 2026.
- Siegfried Gnichwitz, [Die Presse der bürgerlichen Rechten](https://www.presseforschung.uni-bremen.de/antisem/doku.php?id=select%5Fbibliography&ref=borisgloger.at), Dissertation Münster 1955/56 (Ruchs Kronzeuge für den Umschlag des Meinungsklimas).
- [Reichstagswahlen 1928 und 1930](https://www.gonschior.de/weimar/Deutschland/RT5.html?ref=borisgloger.at): Statistik des Deutschen Reichs; Arbeitslosigkeit September 1930 über drei Millionen: bpb. Jürgen W. Falter, [Hitlers Wähler](https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/hitlers%5Fwaehler-16226.html?ref=borisgloger.at) (1991) zur Kausalfrage.
- Solomon Asch, [„Opinions and Social Pressure"](https://www.scientificamerican.com/article/opinions-and-social-pressure/?ref=borisgloger.at), Scientific American (1955).
- Landtagswahl Sachsen-Anhalt, 6\. September 2026, [Ergebnis der Landeswahlleiterin](https://wahlen.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik%5Fund%5FVerwaltung/MI/wahlen/Pressemitteilungen/2026%5F09%5F22%5FEndgueltiges%5FErgebnis%5Fder%5FLandtagswahl%5Ffestgestellt.pdf?ref=borisgloger.at): AfD 43,8 Prozent, 39 von 83 Sitzen; Sondierungsentscheidungen der Parteien bis 9\. September 2026 (MDR, dpa).
- Februarkämpfe 1934, Beschuss des Karl-Marx-Hofs, Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei am 12\. Februar 1934: [Wien Geschichte Wiki](https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Februark%C3%A4mpfe%5F1934?ref=borisgloger.at).
- Hannah Arendt, [Vita activa oder Vom tätigen Leben](https://www.piper.de/buecher/vita-activa-oder-vom-taetigen-leben-isbn-978-3-492-31691-0?ref=borisgloger.at) (1958/1960): Arbeiten, Herstellen, Handeln.
- Helliwell, Layard, Sachs et al., [World Happiness Report 2025](https://www.worldhappiness.report/ed/2025/?ref=borisgloger.at): soziale Unterstützung, Vertrauen, Geldbörsen-Indikator.
- Wiener Wohnen, [„Der Gemeindebau"](https://www.wienerwohnen.at/info/der-gemeindebau.html?ref=borisgloger.at): 220.000 Gemeindewohnungen in 1.800 Anlagen, rund 500.000 Bewohner:innen, Baubeginn um 1920.
- Zohran Mamdani, Amtszeit seit 1\. Januar 2026: Rent Guidelines Board, Mietenstopp 25\. Juni 2026; La Marqueta, 14\. April 2026; Junk-Fee-Verbot Juli 2026; Lohnrückholung Februar 2026\. [Programm 2K](https://www.nyc.gov/mayors-office/news/2026/03/mayor-mamdani-and-governor-hochul-announce-first-four-communitie.html?ref=borisgloger.at): 2.000 Plätze 2026, 12.000 Plätze 2027, 425 Millionen Dollar (AP/Yahoo, 3\. März 2026). Kostenlose Busse verschoben (Politico-Interview, April 2026).
- Bundesnetzagentur, [Pressemitteilung 8\. Januar 2025](https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20250108%5FEE.html?ref=borisgloger.at): 16,2 GW Photovoltaik 2024\. Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen: [§ 12 Abs. 3 UStG](https://www.gesetze-im-internet.de/ustg%5F1980/%5F%5F12.html?ref=borisgloger.at), in Kraft seit 1\. Januar 2023 (Jahressteuergesetz 2022).
- Paul Pierson, [Dismantling the Welfare State?](https://www.cambridge.org/universitypress/subjects/politics-international-relations/comparative-politics/dismantling-welfare-state-reagan-thatcher-and-politics-retrenchment?ref=borisgloger.at) Reagan, Thatcher, and the Politics of Retrenchment (Cambridge University Press 1994).
- Andrea Louise Campbell, [How Policies Make Citizens](https://press.princeton.edu/books/paperback/9780691122502/how-policies-make-citizens?ref=borisgloger.at). Senior Political Activism and the American Welfare State (Princeton University Press 2003).
- James Mahoney, Kathleen Thelen (Hg.), [Explaining Institutional Change](https://www.cambridge.org/core/books/explaining-institutional-change/A5B2439A1AA6BF1A327C5FB4300EB150?ref=borisgloger.at). Ambiguity, Agency, and Power (Cambridge University Press 2010); Wolfgang Streeck, Kathleen Thelen (Hg.), [Beyond Continuity](https://global.oup.com/academic/product/beyond-continuity-9780199280469?ref=borisgloger.at) (2005).
- Erik Olin Wright, [Envisioning Real Utopias](https://www.versobooks.com/products/2143-envisioning-real-utopias?ref=borisgloger.at) (Verso 2010): ruptural, interstitial, symbiotic transformation.
- CLES, [„Community Wealth Building in Preston"](https://cles.org.uk/community-wealth-building-in-practice/community-wealth-building-places/community-wealth-building-in-preston/?ref=borisgloger.at) und Preston City Council, [„How we built community wealth in Preston"](https://www.preston.gov.uk/media/1792/How-we-built-community-wealth-in-Preston/pdf/CLES%5FPreston%5FDocument%5FWEB%5FAW.pdf?ref=borisgloger.at) (Beschaffung Preston 5 auf 18,2 Prozent, Lancashire 39 auf 79,2 Prozent, 74 bzw. 200 Millionen Pfund; Living Wage seit 2012; Demos/PwC 2017).
- World Resources Institute, [„Porto Alegre: Participatory Budgeting and the Challenge of Sustaining Transformative Change"](https://www.wri.org/research/porto-alegre-participatory-budgeting-and-challenge-sustaining-transformative-change?ref=borisgloger.at); Gugliano, „From Innovation to Erosion: The Dismantling of Participatory Budgeting in Porto Alegre" (2026); Aussetzung 2017.
- DAK-Gesundheit, [Psychreport 2025](https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/psychreport-2025%5F91766?ref=borisgloger.at) (Daten 2024, 2,4 Millionen Versicherte): psychische Erkrankungen 17,4 Prozent aller Fehltage, dritthäufigste Ursache; Kita-Beschäftigte 586 und Altenpflege 573 Fehltage je 100 Versicherte, bis zu 71 Prozent über dem Durchschnitt. Greiff, Diedrich, Kastorff, Goldhammer, Köller (Hg.) / ZIB, PISA 2025\. Bildung im Spannungsfeld von Innovation und Transformation (Waxmann 2026, Open Access, [DOI 10.31244/9783818852009](https://doi.org/10.31244/9783818852009?ref=borisgloger.at)): niedrigste Werte seit 2000 (Zusammenfassung); ein Viertel bis ein Drittel ohne Basiskompetenzen; Herkunftsspreizung Naturwissenschaften 125 Punkte, OECD 85 (Kap. 5, Abb. 5.1); unteres ESCS-Quartil 41 Prozent unter Stufe II, 2 Prozent Stufe V/VI, oberes Quartil 8 bzw. 25 Prozent (Kap. 5, Abb. 5.3); Gymnasium vs. nicht-gymnasial 109 auf 128 Punkte seit 2015 (Kap. 10); integriertes Modell: soziale Herkunft „zentraler Prädiktor", zweite Generation minus 18 Punkte (Teil II, Abb. II.1); Konzeption: Aussagen nur auf Systemebene (Kap. 2).
- Tom Krebs, [Kapital und Krise. Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet – und wie nicht](https://www.oekom.de/buch/kapital-und-krise-9783987265297?ref=borisgloger.at) (oekom 2026): Wachstumslücke 11 Prozent, 12.000 Euro pro Haushalt (Kap. 1); Militär-Keynesianismus (Kap. 3, S. 97–99); AfD und Heizungsgesetz (Kap. 4); geplante Marktwirtschaft, vier Leitlinien, „Staat oder gar nichts", Staatskapazitäten, DGB 1949 (Kap. 6, S. 154–177); Energiekrise 2026 (Kap. 7); Netze, Wohnen, Wohngeld (Kap. 9, Netzentgelte S. 259 f.); Ganztag, Personal, Vermögenssteuer (Kap. 10).
- Boris Gloger, [„Es gibt keine Knappheit“](https://borisgloger.at/es-gibt-keine-knappheit/), borisgloger.at, 27\. Februar 2026: Modellrechnung mit Blanchard-Leigh-Multiplikator, Programm 544 Milliarden Euro im Jahr, Steuerrücklauf 42 bis 50 Prozent, Netto-Neuverschuldung 5,7 Prozent des BIP, Schuldenquote von 63,5 auf unter 55 Prozent in zehn Jahren, mit Vermögens- und Erbschaftssteuer rund 42 Prozent; Österreich 64,1 Milliarden im Jahr; privater Finanzierungsüberschuss rund 370 Milliarden (Bundesbank, Finanzierungsrechnung 2024). Maurice Höfgen, Rentenausgaben Österreich rund 13 Prozent, Deutschland rund 10 Prozent des BIP, Differenz etwa 120 Milliarden Euro im Jahr ([„Wenn der Finanzminister recht hat“](https://borisgloger.at/wenn-der-finanzminister-recht-hat-und-es-trotzdem-nicht-tut/), Mai 2026); Jan van Aken, Vermögensteuer rund 147 Milliarden Euro im Jahr ([„Alles fällt nach oben“](https://borisgloger.at/alles-faellt-nach-oben/), Juni 2026). Tom Krebs, Kapital und Krise (oekom 2026): Wachstumslücke 11 Prozent unter dem Vorkrisentrend, rund 500 Milliarden Euro Produktionsverlust im Jahr, 12.000 Euro je Haushalt (Kap. 1); Sondervermögen 0,8 Prozent des BIP im Jahr als Grundstein, Goldene Regel (Kap. 7); S. 194: Investitionen „in erster Linie über staatliche Kreditaufnahme“; Bildung 20 Milliarden Euro Zusatzbedarf im Jahr, Kap. 10: Vermögenssteuer mit Freibetrag von zehn Millionen Euro, rund 27 Milliarden Euro im Jahr für die Bildungssanierung, „kann sogar wachstumsfreundlich sein“; Szenario 2 Prozent Wachstum 2026 bis 2045, plus 48 Prozent.
- Boris Gloger, Arbeitspapier zur politischen Programmarbeit (Arbeitshypothese 1.0, September 2026, unveröffentlicht).
- Boris Gloger, die Essays der Reihe auf [borisgloger.at](https://borisgloger.at/) (im Text verlinkt).